„Schritt für Schritt in die richtige Richtung!“ WIT-Interview mit Wolfgang Haberger, Geschäfts- und Werkleiter des Zweckverband zur Wasserversorgung Moosrain

Wolfgang Haberger hat sich mit uns getroffen, und über seine Ziele, Visionen und Herzensthemen für das bayerische Wasser gesprochen. Viel Spaß und gute Erkenntnisse beim Lesen - und wenn Sie den Beitrag mögen, teilen Sie ihn gerne mit Ihren Lieben, Freunden, und Kollegen.
Liebe Grüße, Ihr Wasser-Info-Team Bayern e.V.

„Schritt für Schritt in die richtige Richtung!“ WIT-Interview mit Wolfgang Haberger, Geschäfts- und Werkleiter des Zweckverband zur Wasserversorgung Moosrain

 

„Herzlich willkommen zum Interview für das Wasser-Info-Team Bayern e.V., lieber Wolfgang!
Schön, dass Du da bist, und danke, dass Du Dir Zeit nimmst für unsere Leserinnen und Leser!“

(Das Interview führte Katrin Zwickl, Wasser-Bloggerin des WIT.)

„Sehr gerne, ich freu mich auch auf unser Gespräch.“

Er lächelt in seiner bescheidenen, freundlichen und fröhlichen Art in die Kamera. Wir treffen uns, wie in allen anderen WIT Interviews bisher auch, im Videochat. Im Hintergrund ist sein Büro, das gleichzeitig ein schöner, großzügiger Besprechungsraum ist. Über das Kompliment für sein Büro freut er sich sichtlich.

„Komm doch mal vorbei und schau es Dir in echt an!“, lädt er mich ein. Ja, das schreib ich mir gleich auf die Agenda. Den Zweckverband Moosrain würde ich mir wirklich gerne mal anschauen.

„Worüber wollen wir heute reden?“

„Puh – Wasserversorgung ist so vielschichtig und facettenreich, da liegt einem vieles am Herzen. Wasser ist einfach das elementarste Grundmittel unserer Gesellschaft. Wie das wahrgenommen wird in der Öffentlichkeit, ist der Wahnsinn. Oder eher, wie das nicht wahrgenommen wird. Auch von Seiten der Politik schaut es da zappenduster aus.“

„Darf ich das so schreiben, zappenduster?“

„Na klar, so ist es halt leider wirklich.“

„Was möchtest Du denn gerne unseren Leserinnen und Lesern über dieses wichtige Thema erzählen?“

„Wo fange ich da nur an?“ Er lacht ein bisschen verschmitzt und denkt kurz nach.

„Also, mein Steckenpferd seit über 40 Jahren (Wolfgang ist 59. Er hat so eine junge Ausstrahlung, ich hätte niemals für möglich gehalten, dass er kurz vor dem 60er steht!) ist, dass wir einfach kein Sprachrohr haben für dieses tolle Gut, das Wasser. Jeder von unseren rund 2300 Wasserversorgern krebst selber vor sich hin. Deshalb haben wir die Wasserwerksnachbarschaften und die ARGES, und eben das Wasser-Info-Team ins Leben gerufen. Aber auch da macht jeder Verband und jede Institution auf der eigenen Linie so dahin. Mein großes Ziel wäre ein Verein oder ein anderer Dachverband mit dem Namen Wasser Bayern. Das könnte viel mehr koppeln, und wir könnten Aufgaben und Kräfte da bündeln und fusionieren.

Wir müssten mit einer Zunge für das Wasser sprechen, was bei unserer Kleinteiligkeit natürlich immer schwierig ist.“

„Wie stehst Du denn zu unserer bayerischen Kleinteiligkeit, findest Du die nicht gut?“

„Doch, natürlich. Bei uns ist das ja schon alleine durch die geografischen Gegebenheiten einfach anders als zum Beispiel im nördlichsten Bundesland Deutschlands. Da gibt es insgesamt ungefähr 30 Versorger, und das war´s. Wenn da mal ein Versorger lahmgelegt ist, ist gleich ein riesiges Gebiet ohne Versorgung. Das gibt es bei uns nicht. Da kann uns so etwas nicht passieren. Die Kleinteiligkeit hat sich in vielerlei Hinsicht bewährt, und da, wo es zu klein wurde, haben die Zweckverbände sinnvolle, effiziente Einrichtungen geschaffen. Dort ist es dann einfacher, über finanzielle Fragen und verschiedene Themen zu entscheiden. Wir haben überschaubare Einheiten und sind daher top aufgestellt.

Aber das müssten wir halt rüberbringen, und tief in einer breiten Bevölkerungsschicht verankern.

Es hat sich eh viel getan, aber im Vergleich mit zum Beispiel der Wasserindustrie stehen wir noch nicht gut da. Wir müssten das alles noch besser publizieren.“

„Was ist denn Deine Vision in Bezug auf die Öffentlichkeitsarbeit?“

„Das war schon immer „Wasser Bayern“. Als die WWN zu einem Verein geworden sind, war ich der Einzige, der dagegen gestimmt hat. In meinen Augen hätte das unter ein anderes Dach gehört. Mir wäre ein größerer Verein, oder auch eine andere Organisationsform lieber gewesen. Wie ein Sportverein mit vielen Mitgliedern, verschiedenen Abteilungen, und einer Vorstandschaft, wo alles zusammenläuft. So wären wir insgesamt viel mächtiger.

Wasser müsste einfach immer an erster Stelle stehen, und das tut es leider nicht.

 

Ein krasses Beispiel aus meiner Laufbahn: Früher haben immer besorgte Mütter bei uns angerufen, und gefragt, ob das Wasser aus der Leitung auch für Säuglinge geeignet ist. Dann kamen die Wassersprudler auf den Markt, und es kam kein einziger Anruf mehr. Ab da haben sich die Leute drauf verlassen, dass die Wasserqualität wirklich top ist. Da sieht man einfach, wie stark der Markt das Verhalten der Menschen beeinflusst.

Es hat sich schon was gewandelt mit der Zeit, aber das sind alles langwierige Prozesse.“

„Das ist doch schon mal was.“ Ich muss schmunzeln. Wer in der Wasserbranche arbeitet, muss einfach ein Optimist oder eine Optimistin sein.

„Deine Vision ist also eine Wasser-Bayern-Organisation. Wie sieht denn Deine Idealvorstellung von so einer Einrichtung aus?“

„Naja, das müsste eben alles hauptamtlich passieren. Da bräuchte es eine Geschäftsstelle, einen Pressesprecher oder eine Pressesprecherin, jemanden, der sich um die PR kümmert. Das müsste alles professionell ablaufen, und nicht ehrenamtlich „nebenher“. Die Wasserwerksnachbarschaften haben das ja mit der Frau Schmid wirklich vorbildlich gelöst.

Alle anderen großen Verbände haben so etwas. Nur das Wasser als Gesamtheit leider nicht. Und das sorgt dafür, dass das Wasser nicht wahrgenommen wird als das, was es ist: Das Allerwichtigste.“

„Ja, das stimmt. Da kann ich nur einmal mehr den Herrn Scherer vom DVGW zitieren, der die Frage formuliert hat, wieso es eigentlich kein Wasserministerium gibt.“

„Deswegen hab ich ja am Anfang gesagt, zappenduster.“ Er lächelt. Seine gute Laune kann ihm auch eine desaströse politische und gesellschaftliche Wasser-Situation nicht nehmen.

„Und wie kommen wir jetzt dahin, zu so einem großen Dachverband?“

„Das geht step by step. Ich werde das in meiner Dienstzeit nicht mehr erleben, aber wir sind insgesamt auf einem guten Weg. Die ARGEs sind ein wichtiger Baustein, genau so wie die Wasserwerksnachbarschaften. Und dass das Wasser-Info-Team so wertvollen Content bietet, und auf Social Media vertreten ist, ist auch eine gute Sache.

Ideal wäre es, wenn wirklich alle Versorger den entsprechenden ARGEs beitreten würden, das wäre ein riesiger Gewinn. Aber alles eben Schritt für Schritt.“

„Es warten ja auch wirklich große Aufgaben auf die gesamte Branche!“

„Vollkommen richtig. Schon alleine, wenn man sich ansieht, wie unsere Investitionspolitik im Moment gehandhabt wird – wir haben einen Investitionsstau, der sich gerade zu einer regelrechten Lawine entwickelt. Die wird uns als Gesellschaft irgendwann gehörig um die Ohren fliegen. Aber so lange das nicht passiert, ändert sich eben auch nichts.“

„Jetzt kommt die Frage, die ich allen unseren Interview-Gästen stelle: Was ist denn, neben Deiner Herzensangelegenheit einer Wasser-Bayern-Organisation Dein persönliches Lieblingsthema beim Wasser?“

„Oh, da muss ich überlegen…“ Er lacht. „Ach, das ist eigentlich ein Schmarrn.“ – „Erzähl es trotzdem, jetzt bin ich neugierig!“

„Naja, bei uns rufen immer wieder Leute an, die Fragen in Bezug auf das Abwasser haben. Wenn ich Ihnen dann erkläre, dass wir der WasserVERsorger und nicht der Abwasserentsorger sind, sind die ganz überrascht und wundern sich, wieso das nicht alles eins ist. An solchen Kleinigkeiten sieht man, wie wenig die Menschen darüber wissen, was eigentlich hinter der gesamten Wasserversorgungsthematik steckt.“

Das kann ich nur bestätigen. Bevor ich angefangen hab, mich mit Wasserschutz auseinanderzusetzen, war ich auch vollkommen ahnungslos, wie viel Aufwand und Technik und Wissen für die Trinkwasserversorgung nötig sind.

„Lass uns doch unsere schöne Stunde am Ende mit etwas Positivem ausklingen! Hast Du auch noch eine gute Botschaft für unsere wasserinteressierten Leserinnen und Leser?“

„Na klar, die hab ich! Meine gute Botschaft ist, dass unsere Wasserversorgung absolut zuverlässig ist, dass sie der gesamten Bevölkerung ermöglicht, zu jeder Zeit den Wasserhahn aufzudrehen und das grundlegendste Element genießen zu können. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch unbedingt noch unsere vielen Beschäftigten erwähnen, die Tag für Tag Sorge dafür tragen, dass wir diesen Luxus haben dürfen. Ein großes Dankeschön von mir an dieser Stelle!“

 

Lieber Wolfgang, danke für die coole Zeit und das schöne Interview!

Und bis ganz bald bei Dir im Zweckverband!

 

 

 

Trinkwasser Bayern
eine Initiative von
Wasser-Info-Team e.V.