Das Nitratproblem geht uns alle an.

Die EU macht immer größeren Druck auf Deutschland, weil in vielen Gebieten die erlaubten Nitrat-Grenzwerte überschritten werden. Nitrat ist deswegen so problematisch, weil es schlecht aus dem Wasser herausgefiltert werden kann, als krebserregend gilt, und unser gutes regionales Wasser auf lange Zeit belastet.

Das Nitratproblem geht uns alle an.

Bis vor einiger Zeit waren Nitrat und Überdüngung ein echtes „Nischenthema“ für Landwirte und Umweltschützer. Schon 1991wurde in der EU eine Höchstgrenze für Nitrat im Grundwasser festgelegt. Interessiert hat es damals niemanden.

Und bis vor Kurzem ist das über die vielen Jahre auch so geblieben. Nun ist es aber so, dass die EU immer größeren Druck macht. Vor allem auf Deutschland, weil wir einfach viel zu viele Regionen haben, die die Höchstgrenzen überschreiten.

Mit dem Druck der EU steigt auch das öffentliche Interesse. Jetzt geht es nämlich ums Geld. Um unseres, um das der Steuerzahler.

Die SZ schreibt in ihrem Artikel vom 7.7.2021

(hier nachzulesen: https://www.sueddeutsche.de/politik/nitrat-eu-ruege-deutschland-1.5345405 )

dass der EU-Umweltkommissar Sinkevičius damit drohe, ein Zwangsgeld von 850.000 Euro pro Tag beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu beantragen.

Deutschland steht unter Druck. Wie bei allen Umweltschutz-Themen, geht es auch hier um wirtschaftliche Interessen, die der Bewahrung unserer Natur entgegenstehen. Und im Moment gewinnt auch bei Wasserschutz-Fragen immer noch die Wirtschaft. Was machen also die Regierungen von Bund und Ländern? Schieben sich zuerst die Verantwortung hin und her, und am Ende wurden neue Modellrechnungen für die roten Gebiete erstellt. Plötzlich gab es zum Beispiel in Bayern nur noch halb so viele „rote Gebiete“. Also Gebiete, in denen weniger gedüngt werden darf, und längere Sperrfristen gelten. Außerdem sind die Landwirt:innen dort verpflichtet, alle Maßnahmen genauestens zu dokumentieren. Ein riesiger Mehraufwand. Vor allem für kleinere Betriebe sind das weitere Zusatzaufgaben in der ohnehin schon unübersichtlichen Welt der Mehrfachanträge. Wohl dem Großbauern, der einen Verwalter/eine Verwalterin hat. Und Büroangestellte. Wieder trifft das in erster Linie die Kleinen, die auch so schon genug zu kämpfen haben.

Mit den neuen Modellrechnungen hätte Deutschland die EU-Vorgaben wieder, flapsig ausgedrückt, so halbwegs erfüllt. Das Problem ist nur, dass die Wasserversorger keine Änderung der tatsächlichen Messwerte feststellen können. Die Nitatbelastung ist die Gleiche geblieben, ist im Artikel der SZ zu lesen. Dort kommt Martin Weyand, der Hauptgeschäftsführer im Bundesverband für Energie und Wasserwirtschaft (BDEW) zu Wort. Er beklage „ein künstliches Wegrechnen“ der tatsächlichen Werte durch die neuen Methoden, und weiter: „Es ist richtig, dass die EU-Kommission nun interveniert.“

Auch unsere Versorger in Bayern können das bestätigen. Die Messwerte haben sich nicht geändert. Die Vorwürfe der Bauernverbände, dass an falschen Stellen oder in den falschen Tiefen gemessen werden, weisen dies entschieden zurück.

Die Süddeutsche berichtet, dass auch die EU anscheinend nicht so ganz einverstanden ist mit den neuen Rechenmodellen. Laut SZ schreibt der EU-Umweltkommisar: „Ich befürchte, dass diese Länder die Bestimmungen der Düngemittelverordnung nicht korrekt anwenden.“

Er fordere deshalb dringend dazu auf, die Ausweisung der roten Gebiete zu überprüfen.

Die letzte EU-Verordnung, oder besser das aktuelle Ergebnis der Verhandlungen sehen auch die Wasserversorger kritisch. „Die 20% Düngung unter dem N-Bedarf der Pflanzen ist eine harte Einschränkung.“ Sagt Ludwig Sigl, Werkleiter des Wasserzweckverbands Mallersdorf. Aber er sagt eben auch: „Ich war 2018 dabei, als im Landwirtschaftsministerium nach der ersten Novellierung der Düngeverordnung drei Verschärfungen durch eine bayerische Ausführungsverordnung durchgesetzt werden sollten.

Jeder Vorschlag, der richtig und fachlich gut gewesen wäre, der keinem ernsthaft weh getan hätte, sondern eben durch kleine Einschränkungen schon eine Wirkung gezeigt hätte, wurde von den Vertretern des Bauernverbands abgelehnt. Hauptsache kein Aufwand für die Landwirte, wirkungsvolle Lösungen waren sekundär, bzw. wurden vom Bauerverband auch gar nicht vorgeschlagen. Das Ende vom Lied war, die EU hat gesagt, das reicht alles nicht – jetzt haben wir eben die 20% vom N-Wert. Das hätte überhaupt nicht passieren müssen, wenn man schon vorher ein bisschen kompromissbereiter gewesen wäre.“

Das klingt jetzt natürlich wieder ein bisschen nach „Bauern-Bashing“. Bitte, liebe Landwirte, versteht uns nicht falsch. Wir sind auf Eurer Seite. Wir wollen, dass Ihr mehr verdient an Euren Erzeugnissen. Wir wollen, dass auch die kleinen Höfe weiter bestehen bleiben können. Wir wollen weg von der Turbolandwirtschaft hin zu einer umweltverträglichen Lebensmittelerzeugung mit Wertschätzung Eurer Arbeit!

UND wir wollen das Wasser schützen! Mit Euch gemeinsam. Wir brauchen die Öffentlichkeit auf unserer Seite. Wir wollen, dass endlich ein Ruck durch die Gesellschaft geht. Dass ein Bewusstsein dafür entsteht, dass Wasser und gesunde Ernährung am besten aus der Region kommen, und auch Geld kosten dürfen. Wir sind überhaupt nicht damit einverstanden, dass der Zwischenhandel die Preise auf unmenschliche Weise diktiert.

Aber alle diese Fragen dürfen nicht auf dem Rücken des Wassers ausgetragen werden. Wir alle, jede Verbraucherin, jeder Landwirt, jeder Betrieb, muss mithelfen, das Wasser zu schützen.

Wir brauchen es nämlich alle. Jeder Mensch auf der Welt braucht sauberes Wasser. Und am Ende des Tages wollt Ihr ja für Eure Kinder auch noch sauberes, reines Wasser, und nicht eins aus der Aufbereitungsanlage, oder?

Quellen:

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