Die Quellen und die Kirche
Die römische Kirche erkannte die starke Bedeutung der Quellenverehrung und kämpfte über Jahrhunderte hinweg aktiv gegen den heidnischen „Irrglauben“ - unter anderem mit Synoden gegen Quell-, Baum- und Steinkulte. 498 setzte das 16. Konzil eine Verurteilung von Personen fest, die Steine anbeten, Fackeln an deren Standorten entzünden, Quellen und Bäume verehren. 731 forderte Papst Gregor III von den Fürsten und Völkern Germaniens, von der heidnischen Weissagung an Quellen und heiligen Hainen abzulassen. Karl der Große verbot 789 per Erlass das Anzünden von Lichtern an Quellen. Gleichzeitig wurden christliche Kapellen und Kirchen über alten Quellheiligtümern errichtet, um die eigene Herrschaft zu betonen. Dass es in der Offenbarung des Johannes, 21,6, heißt, „ich will den Dürstenden umsonst geben vom Quell des Lebenswassers“ zeugt aber ebenso wie das Taufwasser auch von einer christlichen Bedeutung des (Quell-) Wassers, die nicht nur eine Übernahme aus heidnischen Gebräuchen war.
Rückbesinnung
Das Wissen um den Symbolgehalt der Quellen könnte uns heute bei der Rückbesinnung auf die Quelle und das Wasser und ihre Bedeutung helfen. Gerade heute, nachdem die Industrialisierung, die Siedlungstätigkeit und die Landesentwicklung sowie eine Hochleistungslandwirtschaft längst dazu geführt haben, dass Quellen und Feuchtflächen drainiert, Bäche begradigt oder zu Vorflutern umgewandelt wurden. Zwar werden Bäche und Flussläufe renaturiert. Von einer symbolischen, übergeordneten Bedeutung für Wasser und Quelle ist die moderne Gesellschaft aber noch weit weg. Wasser als prägendes Element
Erleichtern würde uns diese Rückbesinnung auch die Erkenntnis, wie das Wasser die Landschaft und ihr Aussehen bestimmt:
Allerdings, so Böhm und Pander: Zwar ist laut Aristoteles „nichts im Bewusstsein, was nicht zuvor in den Sinnen gewesen ist“, aber unsere Gesellschaft leidet an Reizüberflutung und damit Sinnes- und Wahrnehmungsverlust. Viele Menschen müssen also erst wieder lernen, das Unauffällige, Leise, das Natürliche wahrzunehmen und zu spüren. Immerhin: Immer mehr Menschen wollen wieder ihre fünf Sinne schärfen und zurückkehren zur Natur und zur Sensibilität.