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Glosse:

Privatisierung der Wasserversorgung: Wettbewerbsvorteile oder Horrorszenario?

Privatisierung der Wasserversorgung wird von den Befürwortern gleichgesetzt mit niedrigeren Preisen für den Verbraucher und einer effizienteren Bewirtschaftung aufgrund des Wettbewerbsdrucks. Beispiele aus dem näheren als auch dem ferneren Ausland sprechen hier jedoch eine ganz andere Sprache. England und Frankreich sind mit dieser am Anfang Erfolg versprechenden Regelung längst nicht mehr zufrieden, wobei zum Beispiel im United Kingdom auch die Wasserqualität nicht unbedingt die Beste ist. In Südamerika drängeln sich die privaten Firmen, die komplette Versorgungskonzepte anbieten. Letzeres klingt viesagend, vor allem wenn man den Versprechen der Firmen glaubt. Doch sobald ein bisschen an der Oberfläche gekratzt wird, muß man feststellen, dass die entsprechenden Anbieter eigentlich nur in den profitversprechenden Metropolen aktiv werden wollen, nicht jedoch in den infrastrukturell gering entwickelten ländlichen Gebieten, die nur mit erheblich höherem Aufwand mit Wasser, Gas und Strom versorgt werden könnten.
 
Jetzt werden sich viele sicher auf die vielfältigen Vorschriften, Verordnungen und Gesetze in Deutschland und auch in der EU berufen, die so ziemlich alles bis ins allerletzte Detail regeln, werden daher südamerikanische und asiatische Zustände weit von sich weisen. Doch werden besagte Verordnungen auch dann noch so streng ausgelegt werden, wenn auf der anderen Seite die Aktionäre sitzen, die möglichst hohe Renditen sehen wollen, wenn einflussreiche Personen in den Aufsichtsräten das Zepter schwingen, wenn eine Rohrsanierung, eine Aufbereitungsanlage oder aber Ausgleichsleistungen an die Landwirte in den Schutzgebieten den Reingewinn schmälern würden?
 
Würde eine Privatisierung in der Zukunft vielleicht doch bedeuten, dass in Deutschland die strengen Gesetze aufgeweicht würden, zumal bereits die EU-Standards lange nicht so hoch gesteckt sind, wie die deutschen? Hieße eine rein gewinnorientierte Wasserwirtschaft womöglich, dass auf einmal in Deutschland kein Wasser in trinkbarer Qualität mehr aus dem Hahn sprudelt, man auf teueres, sogenanntes Tafelwasser zur Zubereitung der Babynahrung zurückgreifen muß, anstelle des frisch aus dem Hahn gezapften Wassers im Krug nunmehr Mineralwasserflaschen auf den Tisch kommen müssen, wie es in vielen Ländern  bereits usus ist? Oder aber gleicht demnächst die Wasserrechnung der Rechnung beim Juwelier, weil die Preise trotz der ursprünglichen Zusagen dennoch in die Höhe geschossen sind. Wird das Trinkwasser gar ein Privileg der Reichen, müssen ärmere auf nicht so saubere Ressourcen zurückgreifen? Werden die durch verunreinigtes Trinkwasser hervorgerufen Krankheiten wieder auf dem Vormarsch sein? Werden Trinkwasser und Gesundheit irgendwann auch bei uns wieder zum Statussymbol, wird auf diese Weise neuer sozialer Sprengstoff geschaffen?
 
Angesichts der zugegeben vielleicht etwas übertriebenen Horrorvisionen sollten die deutschen Wasserversorger rechtzeitig Strategien entwickeln, diesen Privatisierungsstömungen entgegenzuwirken, um die deutschen Qualitätsstandards zu retten und das Trinkwasser nicht zum Spielball der freien Marktwirtschaft werden zu lassen.
 

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