Wenn man den
Begriff „Wasserschule“ hört, so stellt sich eigentlich fast schon zwangsläufig
die Frage was sich dahinter verbirgt. Es handelt sich hierbei um ein einmaliges
Projekt der „Aktion Grundwasserschutz – Trinkwasser für Unterfranken“, das zur
Sensibilisierung der Schüler für das Trinkwasser beitragen soll. Durch das
direkte Erleben sollen vor allem die Schüler der dritten und vierten Klassen
der Grundschulen im Rahmen des Lehrplanes dieses lebensnotwendige Element
kennen lernen, seine Bedeutung erfassen, seine Vielfalt begreifen, soll die
Basis für aktiven Grundwasserschutz gelegt werden.
Da gerade in Unterfranken die Trinkwassergewinnung aufgrund der geologischen Gegebenheiten
und der relativ geringen Niederschlagsmenge nicht ganz unproblematisch ist
(siehe Bericht Aktion Grundwasserschutz), beauftragte 1997 der Bayerische
Ministerrat die Umweltverwaltung mit der Sicherstellung einer einwandfreien
Trinkwasserversorgung in Unterfranken sowie mit der fachlichen
ressortübergreifenden Beratung und der gezielten Öffentlichkeitsarbeit zur
Bewusstseinsbildung der Bürger. Ausgehend von dem Fakt, dass ein nachhaltiger
Schutz des Gutes Wasser nur erfolgen kann, wenn auch die Wertschätzung
entsprechend groß ist, und diese bereits bei den Schülern ins Bewusstsein
gerufen werden sollte, wurde die Idee zur Initiierung einer Wasserschule ins
Leben gerufen. Die Lehrer können hierbei zwischen der mobilen und der
stationären Form wählen. Die stationäre Wasserschule befindet sich in einem
Schullandheim in Hobbach und bietet unter optimalen Bedingungen Projektwochen
an. Im vergangenen November wurde die Wasserschule unter dem Motto „Wasser
erleben – Nachhaltigkeit lernen“ ins Leben gerufen, im März dieses Jahres kamen
die ersten Schülerinnen und Schüler, um in Hobbach diese ganz besondere Schule
zu durchlaufen, denn die Wasserschule ist in ganz Deutschland einmalig.
Anstelle der oftmals doch recht grauen Theorie tritt spannender
Projektunterricht, der den Kindern das Element Wasser in all seinen Facetten
vermitteln soll. Der Unterrichtsplan besteht aus den Modulen Faszination,
Fließgewässer, Wasserkreislauf, Wasserversorgung und Grundwasserschutz,
Abwasserentsorgung und Wasserexperimenten.
Zum Abschluß des Aufenthalts in der stationären Wasserschule werden am letzten
Abend die Ergebnisse vorgestellt, werden die Schüler ausgezeichnet. In der
stationären Schule existieren selbstverständlich die entsprechenden
Räumlichkeiten für eine optimale Umsetzung des Konzeptes. So wurde unter
anderem ein Wasserlabor eingerichtet. Die Nähe zum Fluß Elsava bietet sich
geradezu für Excursionen zwecks Wassergütebestimmung und ähnliche Aktivitäten
an.
Lehrerhandreichung
Grundlage der mobilen Wasserschule ist die Lehrerhandreichung „Projekt Wasser“ mit zahlreichen
Hintergrundinformationen, Vorschlägen und Hilfsmitteln. EIne neu
entwickelte Wasserfibel mit zahlreichen Bildern, Illustrationen und
Arbeitshilfen bildet die Grundlage für den Wasserunterricht. Wassergläser und
Urkunden dienen als Auszeichnung der erfolgreichen jungen Absolventen, die im
Übrigen ihre Projektarbeit auf der Internetseite www.wasserschule-unterfranken.de
präsentieren können. Blättert man die Wasserfibel durch, so fällt einem sofort
auf, dass hier kein trockenes theoretisches Wissen vermittelt werden soll,
sondern das Thema von allen Seiten beleuchtet wird, all seine Facetten zum
Tragen kommen und vorallem auch immer wieder anhand praktischer Versuche die
einzelnen Bereiche erfasst werden sollen. Auf diese Weise wird erreicht, dass
die Schüler das Thema verinnerlichen, sich mit ihm auseinandersetzen, was
wiederum zur Nachhaltigkeit beiträgt. „Wasserschutz fängt mit Wissen über das
Wasser an. In der Wasserschule erlebt ihr, wie faszinierend Wasser ist, wie
viele spannende Geschichten es erzählt“ – dieser Satz, der auf einer der ersten
Seiten zu lesen ist, drückt auf einfache Weise die Hintergründe des Projekts
aus. So wird auf den folgenden Seiten die Faszination des Wassers behandelt, die
von ihm ausgeht, egal ob im gefrorenen Zustand, als Nebel oder aber als Wolken.
Doch auch die durch Wasserkraft entstandenen geologischen Formationen wie zum
Beispiel die Zerfurchung, die Sprengung ganzer Felsformationen.
Theorie wird zur Praxis
Ergänzt werden diese in kurze prägnante Worte gefassten Beschreibungen zum einen mit
Bildmaterial zum anderen mit der Anregung durch verschiedene Versuche selber
aktiv zu werden. Mit einfachen Materialien, wie zum Beispiel einer Büroklammer
und einem Glas Wasser oder aber Papier und Wasser wird die Theorie in der
Praxis veranschaulicht, der Unterricht spannend. “Eis isoliert“, „Wasser
arbeitet“, „Wasser trägt“, „Wasser klettert hoch“ – allein diese Überschriften
machen Lust auf mehr, d.h. auf weitere detaillierte Informationen, gleichzeitig
bleiben sie als prägnante Punkte im Gedächtnis haften. Flüsse, Seen und Bäche
und die Lebewesen in diesen Biotopen sind weitere Punkte, die angesprochen
werden, bevor man auf den Wasserkreislauf eingeht. Logisch aufgebaut wird
zunächst das Grundwissen vermittelt, bevor das Thema Trinkwasser direkt zur
Sprache kommt, ebenso wie der sorgsame Umgang mit dem kostbaren Naß und der
Grundwasserschutz als elementare Grundlage zur Erhaltung des sauberen Wassers
aus dem Hahn. Und wie es auch der Lehrplan vorsieht wird zu Guter Letzt, damit
sich der Kreislauf auch vollkommen schließt, das Abwasser behandelt. Auch in
diesem Bereich wird wiederum mit reichlich Bildmaterial gearbeitet, wird
schematisch dargestellt, wie aus Abwasser Flusswasser wird, welche Möglichkeiten
der Kläranlagenschonung bereits der Verbraucher hat. Zum Abschluß werden die
Wasserschüler animiert sich selber aktiv am Wasserschutz zu beteiligen, werden
ihnen die einfachen Möglichkeiten wie zum Beispiel Bachpatenschaften, richtiges
Einkaufen etc. aufgezeigt. Sicher ist eines: da die Kinder diese Ideen aller
Wahrscheinlichkeit auch in ihren Familien ansprechen werden, sind sie die
idealen Mulitplikatoren.
Offizielles Projekt derUN-Weltdekade Bildung
„Die Wasserschule Unterfranken ist ein besonderes Beispiel für die Bemühungen, die kostbaren Wasservorräte
in Unterfranken dauerhaft zu sichern und zu einer nachhaltigen Entwicklung der
Heimat beizutragen. Die Bemühungen wurden deshalb letztes Jahr gewürdigt mit
der Auszeichnung der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ als offizielles Projekt der
UN-Weltdekade Bildung für nachhaltige Entwicklung. Auf dem nun eingeschlagenen
Weg muß nun weitergegangen werden, um zu einem messbarem Erfolg zu gelangen.“ konstatiert
der Projektleiter Axel Bauer Vertreter von der Regierung Unterfranken. Und die
Zahlen sprechen für sich, denn bis dato wurden 650 (!) Schulklassen mit Hilfe
der Lehrerhandreichung erreicht, 2000 Wasserfibeln wurden vertrieben, die
stationäre Wasserschule ist bis zum Ende des Jahres ausgebucht – Zahlen und
Fakten, die von dem großen Interesse der Schulen zeugen.