Aufgrund der unterschiedlichen geologischen Voraussetzungen ergeben sich bayernweit
Unterschiede in Quantität und Qualität des Trinkwassers. Der Hydrogeologe Dr.
Karl Heinz Prösl beschäftigt sich seit 1987 intensiv mit dem Trinkwasserschutz,
ist seit 1992 als selbstständiger Berater tätig.
Red.: Herr
Dr. Prösl, seit wann setzen Sie sich intensiv mit dem Grundwasserschutz auseinander?
K.H.P.: Im
Rahmen eines Forschungsvorhabens des Instituts für Wasserchemie der TU München
habe ich mich bereits intensiv mit der Grundwasserdeckschichtenproblematik
befaßt. Ab Mitte der 80-er Jahre öffnete sich auch der Markt auf diesem Sektor,
sodaß ich zusammen mit zwei weiteren Spezialisten 1987 die Firma Watec
gegründet habe, die 1990 - 1992 das Gutachten für den Jura-Karst erstellt hat.
Seit 1992 unterhalte ich ein eigenes Büro.
Red.:
Welches sind Ihre Hauptaufgabengebiete, welche Bereiche werden durch Sie und
Ihr Team abgedeckt?
K.H.P.:
Unser Büro ist auf die Analyse von Grundwasservorkommen, die
Grundwasserbewirtschaftung, die Untersuchung der Wechselwirkung von Grund- und
Oberflächenwasser und den Trink- und Grundwasserschutz spezialisiert, sowie die
Wassererschließung und die Erforschung der Auswirkungen von Wasserentnahmen auf
die Ökosysteme.
K.H.P.: Mein
Arbeitsgebiet erstreckt sich über Ost- und Südbayern. Aufträge zu den bereits
genannten Themenkreisen erhalte ich sowohl von den Wasserversorgern als auch
von Privatunternehmern, wie zum Beispiel Brauereien, Milchwerken,
Rohstoffgewinnung, da ich mich auch auf die Bereiche Wasserrechtsverfahren und
Wasserqualität spezialisiert habe.
Red.: Wie
unterschiedlich gestaltet sich die Wassergewinnung in den einzelnen Regionen
und woraus resultieren diese Unterschiede?
K.H.P.: Die
Unterschiede der Grundwasservorkommen und daher auch der Wassergewinnung
resultieren aus dem unterschiedlichen geologischen Aufbau der Grundwasserleiter
und der Grundwasserdeckschichten. Daher kann man Bayern in verschiedene
Regionen unterteilen, wie zum Beispiel das tertiäre Hügelland südlich der
Donau, die Alpentäler, das kristalline Grundgebirge und das Schiefergebirge
östlich von Donau, Naab und Main, einem klassischen Wassermangelgebiet aufgrund
der Verteilung des Grundwassers auf viele verschiedene kleine Vorkommen. Des
weiteren gibt es den Jura, das Schichtstufenland westlich des Jura mit
Sandstein- und Kalksteingrundwasserleiter und das Oberpfälzer – Fränkische
Bruchschollenland zwischen Schwandorf und Kulmbach. Wichtig sind auch die
Vorkommen in den großen Flusstälern Bayerns. Bereits aufgrund dieser
unterschiedlichen geologischen Randbedingungen ergeben sich unterschiedliche
Ergiebigkeiten, eine weitere Rolle spielen natürlich die klimatischen
Verhältnisse in Bezug auf die Grundwasserneubildung. Die Differenzen in den
Fließzeiten und Verweildauer- zum Beispiel erfolgt der Wasseraustausch im
Sandsteinbereich erheblich langsamer als in den quartären Talschottern - und in
den Grundwasserdeckschichten spiegeln sich die Menge und Qualität des Wassers
wieder. Stark differiert daher auch die Zeitspanne innerhalb der sich die
Auswirkungen grundwasserschützender Maßnahmen bemerkbar machen.
Red.: Was
sind aus Ihrer Sicht die Grundprobleme in der Wasserversorgung in Bayern?
K.H.P.: Das
Hauptproblem liegt wohl das Fehlen eines tatsächlichen öffentlichen Bewußtseins
über die Bedeutung von nutzbaren Grundwasservorkommen und geogener Ressourcen.
Dies wird auch deutlich in der derzeitigen Zerschlagung der Wasserwirtschaft
und des geologischen Landesamtes. Im politischen Tagesgeschäft haben andere
Nutzungsformen vielfach höhere Priorität.
Dazu kommt,
dass die vielen kleinen Wasserversorger vielfach die Ressourcen für eine
Grundwasserbewirtschaftung nicht haben und sich in einer intensiven
Zusammenarbeit – vielfach aus politischen Gründen – schwer tun.Zudem sind
wir derzeit nicht in der Lage das viele Detailwissen, das vorhanden ist,
zusammenzuführen.
Red: Welche
Änderungen in den Strukturen wird es in Zukunft geben?
K.H.P.: Man
wird sich auf deutlich weniger Gewinnungsgebiete konzentrieren müssen, um dort
auch stärker investieren zu können. In diesem Zusammenhang sollte man auch
bedenken, daß die Investition in den Grundwasserschutz eine Investition in die
Zukunft ist. Hier arbeiten viele Versorger noch zu “konzeptionslos”. Der Staat
wird sich in Zukunft aus vielen die Wasserversorgung und den -schutz
betreffenden Punkten zurückziehen. So war z.B. ursprünglich seitens der
Wasserwirtschaft die Erschließung von Trinkwasservorkommen betrieben worden,
was inzwischen nicht mehr der Fall ist. Auch aus der Beratung bezüglich der
technischen Strukturen der Wasserverteilung hat er sich zurückgezogen und dies
scheint im Bereich Ressourcenschutz auch in Zukunft der Fall sein. Diese
Aufgaben müssen daher frühzeitig von den Versorgern übernommen werden.
Red.: Welche
konkreten Projekte bearbeiten Sie derzeit?
K.H.P.: Ich
erarbeite ein Konzept für sieben Wasserversorger im Bereich Bodenwöhrer Senke,
untersuche die Möglichkeiten des Trinkwasserschutzes auf freiwilliger Basis für
die Hallertauer Gruppe und habe den Auftrag der Wiedervernässung für das
Leipheimer und Gundelfinger Moos. Im Übrigen leite ich das Projekt
“Trinkwasserschutz Oberpfälzer Jura”.
Red.
Welche Maßnahmen würden Sie für eine stärkere Akzeptanz des Grundwasserschutzes
und eine größere Wertschätzung des Trinkwassers vorschlagen?
K.H.P.: Öffentlichkeitsarbeit;
die Wasserversorgung muss wesentlich präsenter sein; sie muss ständig
informieren und zwar projektbezogener. Sie muss aus denn negativen Schlagzeilen
raus.
Red. : Wir
bedanken uns für das Gespräch.