Zeit der Industrialisierung

Neuzeit – der Wasserbedarf steigt sprunghaft an

In der nachrömischen Zeit erlebte die Aquädukt-Technik erst im 18. und 19. Jahrhundert mit den Anfängen der Industrialisierung eine erneute Blüte im aufstrebenden Europa. Vielerorts besann man sich auf die alte Technik, um die Bevölkerung in den rasch wachsenden Städten ausreichend mit Wasser zu versorgen. Dort konnte die Bevölkerung dann mit Eimern ihr Wasser sozusagen „vor der Haustür“ aus den Gemeinschaftsbrunnen schöpfen.

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Sehr reiche Bürger hatten teilweise sogar Leitungen, die direkt bis ins eigene Haus hinein führten. Daneben dienten die Aquädukte aber auch zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen sowie zur Versorgung ganzer Fabriken.

Technische Revolution ermöglichte neue Formen der Wassserversorgung

Da der Wasserbedarf mit Entstehung der ersten Manufakturen rapide anstieg, wurde verstärkt nach neuen Techniken zur Wassergewinnung gesucht. Außerdem erforderten neue Bergbautechniken wasserableitende Pumpsysteme. In diesem Zusammenhang kam die Technik der Kolbenpumpe, die bereits in den Hochkulturen der Antike bekannt war, in Europa zu neuer Blüte. Ab dem 14. Jahrhundert wurden in der europäischen Trinkwasserversorgung dann vermehrt Pumpen, die mit Luftdruck arbeiteten, eingesetzt.

Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert wurden die Kolbenpumpsysteme immer komplexer. Im Zuge der technischen und industriellen Revolution entstanden hieraus später Pumpsysteme mit modernen Antriebsarten, wie beispielsweise Dampfmaschinen, Turbinen, Windenergie oder Elektrizität. Parallel wurde eine sogenannte Wasserhebemaschine erfunden, die Wasser mit Hilfe großer Mühlräder in höhere Regionen beförderte.

c1-01-01-2713252Im 18. Jahrhundert wurde dann das erste Wasserwerk in Betrieb genommen. Weitere folgten. Es handelte sich um eine Kombination aus einem zentralen Wasserreservoir sowie einem Rohrnetz mit Zuleitungen zu jenen Haushalten, die an die Trinkwasserversorgung angeschlossen waren – damals nur ein Privileg für jene, die es sich leisten konnten. Die einfache Bevölkerung versorgte sich weiterhin bis ins 19. Jahrhundert hinein mit Wasser aus zentralen Brunnen beziehungsweise aus Flüssen, Bächen und Seen. Sie profitierte erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts von den Segnungen einer zentralen Wasserverteilung. Teile der Oberschicht dagegen profitierten in einigen Städten bereits ab dem 18. Jahrhundert vom Luxus einer geregelten Wasserversorgung. Z.B. versorgte ab 1764 in Karlsruhe ein Wasserwerk die dortigen Hofbeamten mit fließendem Wasser.

Erste zentrale Wasserversorgung ab Mitte des 19. Jahrhunderts

Die erste moderne, zentrale Wasserversorgung in Deutschland wurde 1848 in Hamburg etabliert. Nach einem Brand, der große Teile der Stadt zerstört hatte, wurde der englische Ingenieur William Lindley von den Stadtvätern beauftragt, sowohl eine leistungsfähige Trinkwasserversorgung, als auch Abwasserentsorgung für Hamburg zu entwickeln. Sie trug den Namen Stadtwasserkunst/Hamburger Wasserwerke. Allerdings sparte man in Hamburg anfangs aus Geldgründen noch die Filterierungsanlage für das Wasser ein.

Nachdem 1892 jedoch eine Cholera-Epidemie in Hamburg viele Tote forderte, ging man dazu über, das Wasserangebot – in Hamburg stammte es anfangs aus der Elbe – zu filtrieren, da das nahe Altona, dass bereits filtriertes Wasser anbot, von der Epidemie weitgehend verschont worden war. Die Altonaer Wasserversorgung hatte ihre Anlage bereits nach dem Vorbild der Stadt London mit Langsamsandfilterung ausgestattet.

Wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage für eine moderne Wasserversorgung

d3-3-3-xart-bl-2478886Im Zuge der wissenschaftlichen Erkenntnisse, zum Beispiel entdeckte der Nobelpreisträger und Mediziner Robert Koch, dass der Cholera-Erreger, den er entdeckt hatte, über das Trinkwasser verbreitet wurde, setzte sich allmählich die Überzeugung durch, dass eine kontrollierte Trinkwasserversorgung für eine moderne, aufstrebende Gesellschaft unbedingt notwendig sei. Der eigentliche Boom der Wasserversorgung setzte also nicht zuletzt aufgrund der Erkenntnis ein, dass verunreinigtes Wasser die Hauptursache für viele Krankheiten und Seuchen war, die große Teile der Bevölkerung, besonders in den Städten, immer wieder dahinraffte. Andere Städte folgten nun dem Hamburger Beispiel und in der Folgezeit wurde eine Vielzahl chemischer, physikalischer oder biologischer Verfahren entwickelt, die die Reinheit des angebotenen Wassers im Fokus hatten.

Nach der Trinkwasserversorgung wurde auch die Abwasserentsorgung zentralisiert

Ende des 19. Jahrhunderts begann man auch die Abwasserklärung als wichtigen Bestandteil einer funktionierenden Wasserversorgung für die aufstrebenden Industriegesellschaften zu entdecken, die anfangs noch sehr stiefmütterlich behandelt worden waren. Zwar wurden die Abwässer durch Kanäle aus den eng besiedelten Regionen abgeleitet, aber sie flossen nach wie vor ungeklärt in Flüsse und Seen oder wurden in speziellen Gruben gesammelt und beeinträchtigten so nach und nach das Grundwasser.

Die erste Kläranlage wurde hierzulande 1882 in Frankfurt/Main in Betrieb genommen. Doch im Großen und Ganzen wurden die Gewässer auch weiterhin mit Abwässern stark belastet. Erst in den 1970er Jahren wurden Verfahren zur besseren Klärung des Abwassers entwickelt und so konnten endlich viele Gewässer von dem drohenden Umkippen bewahrt werden.

Neueste technische Erfindungen dienten auch dem reinen Vergnügen

d3-3-3-xart-dt_xxl_8503654Mit dem Siegeszug der technischen und wissenschaftlichen Revolution wurden in der Folgezeit immer neue, immer effizientere Pumpen und Druckanlagen erfunden. Dabei wurde die neu entwickelte Technik, die das Wasser in großen Mengen pumpte und beförderte, jedoch nicht nur für technische Belange eingesetzt, sondern parallel dazu auch rein zum Vergnügen – beispielsweise für ästhetische Wasserspiele, wie den Fontana di Trevi in Rom. In ganz Europa kam es förmlich zu einem kreativen Wettstreit auf diesem Gebiet und viele Objekte der Wasserkunst gehören noch heute zu den beliebtesten Fotomotiven der modernen Touristen.

 

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