Von der Antike bis zum Mittelalter

Von der Antike bis zum Mittelalter –
als die Wasserversorger als „Künstler“ verehrt wurden

Der erste Aquädukt wurde um rund 690 vor Christi errichtet, um die mesopotamische Großstadt Ninive am Tigris mit Wasser zu versorgen. Mit den Römern verbreitete sich die Technik der Aquädukte – aus dem Lateinischen „aquae ductus“, das bedeutet „Wasserleitung“ – nach und nach im ganzen Nahen Osten und Mitteleuropa.

c1-01-01-1449754_xlMarkantes Kennzeichen sind die teils mehrstöckigen Brückenbauwerke mit ihren imposanten Bogenwölbungen, die zur Überführung der Wasserkanäle zwischen zwei Berghöhen dienten. Wasser wurde so – immer mit einer leichten Abwärtsneigung – über weite Strecken von der Quelle bis zum jeweiligen Bestimmungsort geleitet.

d3-3-3-xart-7400444Die Baumeister, die sich in dieser Zeit gezielt und systematisch mit der Wasserversorgung beschäftigten, genossen ein hohes Ansehen. Die antike bis mittelalterliche Wasserversorgung wurde unter dem Begriff „Wasserkunst“ zusammengefasst. Ihre Baumeister wurden „Kunstmeister“ genannt.

Während der Begriff zunächst nur die Pumpwerke und Wasserbehälter umfasste, galt er später auch für die Gesamtanlage mit Röhrensystemen und Hochbehältern, in denen das Wasser gespeichert wurde. Die ersten Wasserkünste waren vorwiegend aus Holz, später aus Stein. Das erste Röhrensystem bestand aus ausgehöhlten Baumstämmen und leitete das Wasser an die jeweiligen Verbrauchsorte, wie Brunnen, Wasserbütten oder Steintröge.

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Seit der Renaissance- und Barockzeit wurde der Begriff Wasserkunst zudem auch – und heute überwiegend – für kunstvolle Springbrunnen, Fontänen, Kaskaden und Wasserspeier etc. verwendet.

Rückschritt in der europäischen Wasserversorgung im Mittelalter

d3-3-2-xart-11572847Während im Orient beziehungsweise im byzantinischen Reich die Tradition der Aquädukte kontinuierlich weitergepflegt wurde – in Istanbul wird noch heute Wasser mittels eines alten Aquädukts gewonnen – geriet diese, damals äußerst fortschrittliche Technik der Wasserversorgung, in Europa für einige Jahrhunderte in Vergessenheit, nachdem die Römer von den Germanen zurückgedrängt worden waren. Stattdessen wurde Wasser wieder vorrangig aus Brunnen und Fließgewässern in der nahen Umgebung geschöpft. Dabei kamen an Flüssen häufig Schöpfräder zum Einsatz und Grundwasser wurde mittels Laufbrunnen – nur mit Eigendruck betrieben – oder mit Ziehbrunnen, früher auch Sodbrunnen genannt, aus der Tiefe befördert.

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Höfe oder Burgen, die in Niederungen lagen, versorgten sich zudem über sogenannte Sickerschächte, die teilweise bis zu vier Meter tief waren. In der Folge kam es im Mittelalter in den Städten Europas immer wieder zu bedrohlicher Wasserknappheit.

Um nicht zu verdursten, zapften die Bewohner in diesen Trockenzeiten die Quellen direkt an und leiteten das Wasser in Zuleitungsrohren aus Holz und später aus Blei, in ihre Heimatorte. dies war übrigens auch die Zeit, in der viele mitteleuropäische Städte die Wasserversorgung zu einer Aufgabe des Gemeinwesens erhoben.

Wasserverschmutzung – schon im Mittelalter ein Problem

Neben der Wasserknappheit war schon damals die Wasserverschmutzung – beispielsweise durch Tierkadaver oder Abfälle – ein großes Problem, da schwere Krankheiten oder sogar Seuchen drohten. Wer im Mittelalter absichtlich einen Brunnen verschmutzte oder vergiftete, musste daher mit rigorosen Strafen rechnen. Schon damals gab es eine Trennung zwischen Trinkwasserbrunnen und Brunnen, an denen Schmutzarbeiten verrichtetet werden durften, die sogenannten Sudeltröge.

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Extreme Höhenunterschiede – eine besondere Herausforderung für die mittelalterliche Wasserversorgung

Als besondere bauliche Herausforderung gestaltete sich im Mittelalter der Brunnenbau auf den oft hochgelegenen Burgen. Hier mussten die Brunnenschächte, oft bis zu 150 Meter tief, mühsam durch felsiges Gestein ausgehoben werden, um mögliche Grundwasserbestände anzapfen zu können. Zur Sicherung der Wasserversorgung, wurden daher zusätzlich sogenannte Zisternen, das heißt Auffanganlagen für Regenwasser, angelegt. Eine Methode, die auch in anderen Regionen mit häufiger Trinkwasserknappheit angewendet wurde. Um zumindest die gröbsten Verunreinigungen herauszufiltern, wurde das Auffangwasser später zunächst durch Filterzisternen mit aufeinander geschichteten Sandsteinquadern geleitet. Darüber hinaus wurden auch Überreste von hölzernen oder tönernen Röhren gefunden, die zu primitiven Leitungen zusammengesteckt waren. Diese waren allerdings mit den früheren, hoch entwickelten römischen Rohrleistungssystemen in keiner Weise vergleichbar.