Fracking

Fracking – ein umstrittenes Verfahren

e4-3-2-xart1-40381053_xxlSeit in den USA mit der sogenannten Schiefer­gaswende die Energiepreise auf das Niveau von rund einem Drittel des deutschen Markts gefallen sind, ist Fracking ein Thema, das auch hierzulande diskutiert wird. Allerdings ist das Thema in Europa mit erheblichen Protesten verbunden, da unkalkulierbare Risiken für die Umwelt und Klima befürchtet werden. Besonders die Grund­wasserressourcen, so die Kritiker, sind bei einem flächen­deckenden Einsatz der risikoreichen Fördertechnologie in Gefahr.

Befürworter setzen dagegen auf eine unabhängige heimische Energieförderung, was die Abhängigkeit von russischen Gasimporten – allerdings nur für einen gewissen Zeitraum – reduzieren würde. Experten schätzen die deutschen Gasvorkommen, die mittels Fracking nutzbar gemacht werden könnten, auf rund 1,3 Billionen m³. Theoretisch würde diese Menge die hiesige Gasversorgung auf circa 13 Jahre lang sicherstellen. Allerdings würde dies – anders als beim konventionellen Fracking der Vergangenheit – aber auch rund 48.000 Bohrungen auf circa 9.300 m² voraussetzen, so eine Hochrechnung des Umwelt­bun­des­amtes. Wobei ein Teil der abbaubaren Schiefergasvorkommen (Shalegas) in Trink­was­ser­schutz­gebieten liegt.

Eine Methode mit erheblichen Risiken

e4-3-2-fracking-gr1Beim Fracking wird eine große Flüs­sig­keitsmenge unter extremem Druck – bis zu 1600 bar – durch ein Bohr­loch in eine Lagerstätte ge­pumpt. Diese Flüssigkeit besteht i.d.R. hauptsächlich aus Wasser. Damit werden unterirdisch künstliche Risse in sonst wenig durchlässigem Gestein – in diesem Fall ansonsten schwer ausbeutbares hartes Schiefergestein – erzeugt, durch die das Gas (oder auch Erdöl), das in winzigen Poren fest eingeschlossen war, zum Bohrloch fließen und gefördert werden kann. Damit sich die Risse nach Abschluss des Pump­vorgangs nicht wieder schließen, müssen dem Wasser zusätzlich Sand und aggressive Chemikalien beigemischt werden, um die Gasvorkommen aus dem unterirdischen Gestein zu lösen.

Derzeit existieren rund 80 chemische Cocktails, die dem Wasser beigegeben werden. Davon hat das Umweltbundesamt in einer Studie allerdings nur 27 als „nicht gefährlich“ deklariert. 25 Mischungen wurden als „gesundheitsschädlich“, sechs als „umweltgefährlich“ und noch einmal sechs als „giftig“ eingestuft. Die Chemikalien dienen verschiedenen Zwecke, bei­spiels­weise verdicken sie das Wasser, damit sich der Sand darin nicht so schnell absetzt. Während ebenfalls eingesetzte Biozide unerwünschtes Bakterienwachstum im Erdinnern verhindern sollen.

Zu den hohen Umweltrisiken durch die Tiefenbohrungen – Verschmutzung des Grund­was­sers, eventuelle Freisetzung von Radioaktivität sowie kleinere Erdbeben – kommt zudem noch ein enormer Verbrauch der weltweit immer knapper werdenden Ressource Wasser hinzu. Denn für jede einzelne Bohrung werden mehrere tausend m³ Wasser – häufig Trinkwasser – verbraucht. D.h. um den Energierohstoff Gas zu gewinnen, muss eine exorbitante Menge des Rohstoffs Wasser eingesetzt werden. Dieser hohe Wasserbedarf dürfte für manche Regionen zusätzlich eine hohe Belastung in der Wasserversorgung mitsichbringen. Desweiteren stellt die Abwasserentsorgung des Fracking-Verfahrens ein weiteres umweltbelastendes Problem dar.

Zur Geschichte des Frackings

Grundsätzlich ist die Methode des Frackings bereits seit über einem halben Jahrhundert bekannt und wird weltweit eingesetzt, um unterirdische Gasvorkommen zu fördern. Allerdings wurde mit diesem Verfahren bisher nur Gas aus sogenannten konventionellen Lagerstätten in gut durchlässigem Sandstein (Tightgas) gefördert. Die Methode wurde 1949 erstmals von US-amerikanischen Geologen genutzt. In Deutschland wurde 1961 das erste Mal „gefrackt“. Man spricht hier von “konventionellem” Fracking.

Bis kurz vor der Jahrtausendwende konnten dabei nur vertikale Bohrungen durchgeführt. Was den Einsatz der Methode erheblich einschränkte. Erst mit der neu entwickelten Technik der horizontalen Bohrungen über mehrere Kilometer wurde Fracking flächendeckend interessant. Seither stieg die Anzahl der Bohrungen massiv an. Auch in Deutschland entfällt circa ein Drittel aller bisherigen rund 300 Bohrungen auf die letzten sieben Jahre.

Diese Bohrungen zur Förderung heimischer Rohstoffe sollen auch weiterhin in Deutschland möglich sein, wobei eine Umweltverträglichkeitsprüfung für konventionelles Fracking in der Planung ist.

Die Situation in Europa – grundlegend anders als in den USA

Für die Energie- und Mineralöl-Unternehmen auf dem europäischen Kontinent spielt Fracking für die Zukunft keine wirklich nenenswerte Rolle. Ein Grund sind die unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse: In den USA gehören Rohstoffe im Boden dem jeweiligen Landeigentümer. In Deutschland und Europa sind sie Staatseigentum und gehören der Allgemeinheit. Außerdem ist die Bevölkerungsdichte in Europa wesentlich höher als in den USA.

Die Haltung der deutschen Politik zu Fracking
  • Die Umweltminister der Bundesländer haben sich gegen Fracking mit toxischen Substanzen ausgesprochen.
  • Das sogenannte konventionelle Fracking (Tightgas) soll durch Auflagen – wie eine Umweltverträglichkeitsprüfung – verschärft werden.
  • Im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD heißt es u.a.: “Trinkwasser und Gesundheit haben für uns absoluten Vorrang.”
  • Die Haltung der EU zu Fracking

    Die Mehrzahl hydrologische Experten sehen in der Tiefenlage der Ressourcenvorkommen allein noch kein höheres Risiko. Aus diesem Grund hat die EU von der früheren Klassifizierung in “konventionelles Fracking” (= in leicht zugänglichen Sandgesteinen) sowie “nicht konventionelles Fracking” (= in sehr tief liegenden, schwer zugänglichen und schwer ausbeutbaren Schiefergesteinen) Abstand genommen. Bei Fracking-Maßnahmen, die künftig besonderen Sicherheitsauflagen unterliegen sollten, spricht sie heute von “Hochvolumen-Fracking”. Damit sind große Fracking-Maßnahmen gemeint, die über 10.000 m³ Wasser benötigen.

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    Hätten Sie’s gewusst?

    Die Gegner von Schiefergas-Fracking haben prominente Unterstützung nicht nur von den Wasserversorgungsunternehmen. Auch die deutschen Bierbrauer wehren sich gegen das technische Verfahren, da sie das Reinheitsgebot des deutschen Bieres gefährdet sehen. Die Branche befürchtet, das ihre Trinkwasserbrunnen verseucht werden könnten. Hier würde es nicht einmal helfen, dass Trinkwasserzonen vor Fracking geschützt würden, denn über 90 Prozent der Mineralquellen in Deutschland liegen außerhalb der ausgewiesenen Wasserschutzzonen.

     
     
     

    Pflanzenschutzmittel

    Vor- und Nachteile von Pflanzenschutzmittel

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    Pflanzenschutzmittel (PSM) werden von Landwirtschaft und Agrarindustrie standard­mäßig zur Bekämpfung von Schäd­lingen, Pilzen und Unkraut eingesetzt. Außer­dem tragen sie dazu bei, Ernteausfälle zu redu­z­ieren, Erträge zu erhöhen und die Lagerfähigkeit der Pflanzen zu steigern.

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    Die negative Seite: PSM bilden häufig Rückstände oder Abbauprodukte, die wesentlich giftiger sind als der Ursprungsstoff. Gelangen diese nun ins Grundwasser, bedrohen sie unmittelbar die Qualität unseres Trinkwassers. Der EU-weite Grenzwert für PSM beträgt daher 0,1 Mikrogramm pro einem Liter Trinkwasser.

    Hauptprobleme beim Einsatz von PSM

    • Gefahr der Resistenzbildung bei Insekten, Pilzen oder Unkräutern gegenüber einzelnen Wirkstoffen
    • Rückstände können andere Ökosysteme sowie die Gesundheit von Mensch und Tier gefährden

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    Problem Atrazin

    Die größte Rolle bei Pflanzenschutzmitteln, deren Rückstände regelmäßig im Trinkwasser ge­­funden werden, spielt Atrazin und sein Abbau­produkt (Metabolit) Desethylatrazin. Atrazin wird über­wiegend als Herbizid für Maiskulturen ein­ge­setzt, aber auch zur Unkrautvernichtung auf Industrie- und Verkehrsflächen sowie Gleisanlagen.

    Die Wirkung von Atrazin

    Das Herbizid wirkt wachstumshemmend, indem es die Photosynthese von Pflanzen unterbindet. Es wurde hierzulande seit Ende der 1950er Jahre eingesetzt, bevor es 1991 verboten wurde. EU-weit gibt es noch kein generelles Verbot, wobei Atrazin besonders im Wasser nur sehr langsam abgebaut wird und für Wasserorganismen giftig ist.

    Mög­liche negative Langzeitwirkungen im Wasser:

    • Missbildungen und Störungen der Fortpflanzung von Fischen.
    • Absterben des Phytoplanktons und damit erhebliche Störung des Ökosystems im Wasser.
    • Für die menschliche Gesundheit ist Atrazin weitgehend unbedenklich. Bei Experimenten mit Ratten wurde allerdings eine erhöhte Brustkrebsrate festgestellt.

    Mögliche Gegenmaßnahmen

    Atrazin kann durch Filtration über Aktivkohle aus Wasser entfernt werden.

    Problem Glyphosat

    Glyphosat ist das am meisten eingesetzte Herbizid in Deutschland und auf der ganzen Welt. 1974 brachte es der US-Konzern Monsanto unter dem Namen „Roundup“ auf den Markt. Mittlerweile wird Gyphosat von vielen Unternehmen in zahl­reichen Varianten angeboten.

    Die Wirkung von Glyphosat

    Glyphosat wirkt als „Allrounder“ und hemmt den Stoffwechsel von Pflanzen. Es ist preisgünstig und äußerst vielfältig anwendbar – im Ostanbau, im häuslichen Garten, beim Anbau von Christbäumen, an Bahngleisen oder auf Industrieflächen etc. Teilweise wurde es kurz vor der Aussaat gespritzt, um die Ackerfläche von Unkraut zu befreien oder aber kurz vor der Ernte, um beispielsweise die Abreifung von Weizen oder Raps zu beschleunigen.

    Mögliche negative Wirkungen von Glyphosat:

    • Laut Medienmeldungen soll Glyphosat in der Muttermilch nachgewiesen worden sein. Dies konnte von offizieller Seite jedoch bisher nicht bestätigt werden.
    • Es steht zudem unter dem Verdacht, krebs­auslösend zu sein und Embryonen zu schädigen.

    Mögliche Gegenmaßnahmen

    Das Spritzen kurz vor der Ernte wurde mittlerweile gesetzlich verboten und innerhalb eines Jahres darf auf jeder Fläche nur noch einmal eine auf 3,6 kg/pro ha begrenzte Menge gespritzt werden.

    Externe Beiträge zum Thema:

    Terbuthylazin

    Terbuthylazin ist ein systemisches Herbizid und wirkt selektiv. Es ist in seinem chemischen Aufbau dem Atrazin ähnlich.

     
     

    Bakterien und Verkeimung

    Die Gefahr von Antibiotika-resistenten Keimen

    Entdeckt wurden Antibiotika offiziell 1928 vom schottischen Bakteriologen Alexander Fleming. Danach galten Antibiotika für einige Jahrzehnte als Wunderwaffe gegen Infektionen und Keime. Doch nun schlägt der Generaldirektor für Gesundheitssicherheit bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Alarm und warnt: „Wenn jetzt nicht schnell und koordiniert gehandelt wird, bewegt sich die Welt in eine postantibiotische Ära, in der gewöhnliche Infektionen und kleine Verletzungen, die für Jahrzehnte behandelbar waren, wieder tödlich sein können.“

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    Infektionen mit bakteriellen Krankheitserregern sind mittlerweile eines der größten Probleme in der Geschichte der modernen Infektionskrankheiten. Und diese Art der Infektionen hat im letzten jahrzehnt massiv zugenommen. Besonders häufig findet man diese Keime in Krankenhäusern sowie in der Massentierhaltung – speziell Schweine und Hühner sind oft betroffen. Und neuerdings wurden Multiresistenzkeime auch im Trinkwasser entdeckt.

    Was passiert wenn „normale“ Keime multiresistent werden

    • Normalerweise bekommen wir bei schweren Infektionen ein Antibiotikum und nach kurzem sind die Bakterien abgestorben und/oder können sich nicht weiter vermehren.
    • Doch immer häufiger bilden Bakterien Resistenzen gegen Antibiotika. Sie entwickeln Abwehrstrategien gegen den Feind, indem sie ihre DNS verändern und immun werden.
    • Besonders gut können sich Resistenzen ausbilden, wenn Bakterien durch Antibiotika oder durch Desinfektionsmittel nicht vollständig abgetötet werden. Dann haben sie Zeit „zu lernen, sich zu wehren“ und entwickeln maßgeschneiderte Abwehrstrategien gegen die „Waffen“ des Antibiotikums.
    • Wird nun ein Antibiotika eingesetzt, sterben nur die nicht resistenten Bakterien ab. Jene, die ihr Erbgut verändert haben, überleben und gehen gestärkt aus der Attacke hervor. Künftig vermehren sich nun nur noch die starken, resistenten Keime. Das Bakterium ist zu einem Superkeim mutiert, gegen das es kein Gegenmittel gibt.
    • Doch damit nicht genug können – und hier wird es besonders gefährlich für unser Trinkwasser – die resistenten Bakterien können ihr Erbgut auch an andere völlig harmlose Bakterien weitergeben, wie es sie vielfältig im Wasser gibt, die dadurch nun auch Antibiotika-resistent werden und diese Eigenschaft ebenfalls weitergeben können.

    Wie kommen multiresistente Bakterien in unser streng kontrolliertes Trinkwassersystem?

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    Als Karlsruher Wissenschaftler eine Probe aus dem Abwassersystem der Uniklinik Freiburg nahmen, fanden sie neben Antibiotika-Rückständen und einem reichhaltigen Medikamenten-Cocktail auch Antibiotika-resistente Keime. Ihre Schlussfolgerung: Bei der Verbreitung von resistenten Bakterien und Medikamentenrückständen scheint Klinikabwasser eine wichtige Rolle zu spielen:

    Aus den Krankenhäusern gelangen Antibiotika-resistente Keime ins Abwasser und von dort in die Kläranlagen. Hier – im sogenannten Belebtschlamm-Becken der biologischen Klärstufe – ist für „normale“ Keime und Bakterien i.d.R. Endstation. Sie dienen den dort angesiedelten „guten“ Bakterien als Nahrung. Nicht so die Bakterien mit den Resistenz-Genen – vorzugsweise aus dem Umfeld von Krankenhäusern oder Altenheimen. Sie geben ihre resistenten Eigenschaften teilweise sogar an andere Bakterien ab. Auf diese Weise kommen die resistenten Gene plötzlich auch in Keimen vor, die selbst vorher keinerlei Kontakt zu einem Antibiotikum hatten. Zahlreiche „normale“ Wasserbakterien sind nun selbst Träger des Resistenzgens. Sie gelangen nun in die Flüsse und verbreiten sich dort weiter, gelangen mit der Zeit ins Grundwasser und von dort wieder ins Trinkwasser. Hier übertragen die ursprünglich harmlosen Wasserbakterien nun ihre inzwischen erworbene Antibiotoka-Resistenz an die Darmflora im menschlichen Körper. Folge: Ist ein Mensch krank und braucht Antibiotika als Gegenmittel, haben diese ihre Wirkung verloren und den Menschen kann nicht mehr geholfen werden.

    Gegenmaßnahmen der WHO

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    Die WHO sieht in ihrem Bericht einen Startschuss für ein weltweites Programm, um besser gegen Antibiotika-Resistenzen gerüstet zu sein. Die meisten multiresistenten Keime entstehen in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Besonders Menschen mit schwachem Immunsystem, für Babys, Kleinkinder und ältere Menschen können Infektionen durch multiresistente Erreger (MRE), häufig lebensbedrohlich werden. Fachverbände gehen von rund 700.000 Fällen im Jahr aus, wobei 30.000 tödlich enden. Als Gegenmaßnahme schlägt die WHO vor:

    • Ärzte sollten Antibiotika nur dann verschreiben, wenn es wirklich notwendig ist und Patienten sollten die Einnahme nicht frühzeitig abbrechen, damit Bakterien weiger Gelegenheit haben, Abwehrstrategien durch Mutation zu entwickeln.
    • Es werden dringend neue Antibiotika gebraucht, aber in den letzten 30 Jahren wurden keine neue Wirkstoffklasse mehr entwickelt.
    • Infektionen sollten am besten präventiv verhindert werden, als sie nachher mit Antibiotika zu behandeln. Dabei hilft: eine verbesserte Hygiene, auch in Kliniken sowie weltweit Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen für alle Menschen. Impfungen tragen obendrein zum präventiven Infektionsschutz bei.

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    Tipps zum Umgang mit Antibiotika
  • Zuerst prüfen: ob ein Antibiotikum wirklich nötig ist – oder ob es reicht, auszuschlafen und sich zu pflegen. Häufig wird der Körper mit einfachen Infektionen alleine fertig.
  • Akzeptieren, wenn der Arzt kein Antibiotikum verschreibt. Bei Husten, Erkältung oder Bronchitis handelt es sich beispielsweise meistens um eine Virus-Erkrankung, gegen die Antibiotika nicht wirken.
  • Welche Wirkung er sich erwartet und welche Nebenwirkungen eintreten könnten.
  • Das jeweilige Antibiotikum immer so lange einnehmen, wie es vorgeschrieben ist. Die Dosierung und Abstände zwischen den Einnahmen einhalten. Sonst können Erreger überleben und Resistenzen entstehen.
  • Niemals Antibiotika verwenden, die man selbst, ein Verwandter oder Bekannter “noch übrig” hatte.
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    Medikamentenrückstände

    Pharmazeutischer Cocktail im Trinkwasser

    e4-1-2-3-xart-20978763_xxlAllein zwischen 2002 und 2012 stieg der Verbrauch von Arzneimittel-Wirkstoffen hierzulande um über 30 Prozent – von 6.200 auf 8.120 Tonnen. Und immer häufiger lassen sich – sowohl in Ober­flächen­gewäs­sern als auch im Grund- und Trinkwasser – Rückstände von Arznei­mitteln nachweisen. Laut Umwelt­bundes­amt (UBA) wurden bis 2011 in Summe 23 Wirk­stoffe im Trink­wasser sowie 55 verschiedene Spuren von Arznei­mitteln im Grundwasser entdeckt. Die iden­ti­fi­zier­ten Wirkstoffe in Flüssen und Seen lagen sogar im dreistelligen Bereich. Allerdings konnte nur gefunden werden, wonach auch gesucht wurde. Immer neue Wirkstoffe verursachen in diesem Fall immer neue Probleme.

    Im Grundwasser waren es vor allem Überreste von Blutfettsenkern, Schmerzmitteln und Antirheumatika, wie Diclophenac oder Ibuprofen, sowie Analgetika oder Diabetesmittel zu finden, aber auch Röntgen­kontrast­mittel. In jeweils winzigen Spuren – aber insgesamt gesehen zunehmend in einem durchaus brisanten Cocktail, dessen Langzeit­wirkung keiner kennt. Und der demo­grafische Wandel wird die Situation noch verschärfen. Je älter wir werden, desto mehr Medikamente nehmen wir ein.

    Wie die Medikamentenreste in unseren Wasserkreislauf gelangen

    e4-1-2-3-xart-41900317_xxlDa viele Medikamente so konzipiert sind, dass sie ihre Wirkung erst im Darm entfalten und nicht schon von der Magensäure zersetzt werden, sind die Inhalts­stoffe derart geschützt, dass ein großer Teil nie im menschlichen Körper zum Einsatz kommt und einfach ausgeschieden wird. Vom Abwasser in der Toilette gelangen sie dann in die Kläranlage, die nicht so ausgelegt sind, dass sie die ständig neuen pharma­zeu­tischen Stoffe herausfiltern können. Von dort gelangen sie über den normalen Wasserkreislauf zuerst ins Grundwasser und dann ins Trinkwasser.

    Hinzu kommt, dass immer noch viele Verbraucher abgelaufene Arzneimittel über die Toilette entsorgen, da ihnen oft nicht bewusst ist, dass die Mehrzahl der Kläranlagen diese Stoffe nicht erfassen können. Hier sei daran erinnert, dass der Gesetzgeber 2009 eine Rücknahmepflicht von unbenutzten Arzneimitteln für Apotheken eingeführt hat, um diese Quelle der Trinkwasserverschmutzung zu reduzieren.

    Die TU Berlin fand heraus, dass rund 80 Prozent der Medikamentenrückstände über das Abwasser von Privathaushalten in den Wasserkreislauf gelangen. Der Rest kommt von Unternehmen, die im pharmazeutischen Bereich aktiv sind – wie beispielsweise Kranken­häuser, Chemie- und Pharmaindustrie oder Apotheken etc. Besonders wirkungsintensiv sind auch Hormon-Einträge ins Wasser. Ein Sonderfall sind Antibiotika-resistente Keime – hier stehen Krankenhaus­abwässer als Hauptverursacher der Verschmutzung in Verdacht. Sie sind überdies auch gegenwärtig bereits lebensgefährlich.

    Medikamentenrückstände und die Folgen

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    2012 gingen über eine Milliarde Packungen über die Ladentheken in deutschen Apotheken.
    Bereits in den 1990er Jahren gelang es Berliner Forschern 16 entsprechende chemische Verbindungen im Trinkwasser nachzuweisen, im ungeklärten Abwasser waren es sogar 100. Laut dem Bundesumweltamt sind die Konzentrationen zwar derzeit so gering, dass gesundheitliche Schäden so gut wie ausgeschlossen werden können, allerdings stimmen einige mögliche und bereits nachgewiesene Folgen doch sehr nachdenklich:

    • So wurden bei Forellen bereits Nierenschäden durch den in diversen Schmerzmitteln enthaltenen Stoff Diclofenac festgestellt.
    • Aufgrund synthetischer Hormone im Wasser wurde eine Verweiblichung von Fischpopulationen festgestellt, ebenso wie bei Fröschen.
    • Eine Studie der Bochumer Ruhr-Universität sieht sogar einen Zusammenhang zwischen der seit Jahren sinkenden Spermienzahl bei Männern sowie einer steigenden Rate an Hodenkrebs-Erkrankungen und Genitalfehlbildungen und den in Trinkwasser und Lebensmitteln enthaltenen Östrogenen.
    • Auch die immer früher einsetzende Pubertät bei Kindern wird von einigen Wissenschaftlern mit Rückständen der Antibabypille im Trinkwasser in Verbindung gebracht.
    • Bereits 2006 testeten Forscher aus Italien gering-dosierte Medikamenten-Cocktails und stellten eine negative Wirkung auf die Zellproduktion fest.
    • Und das Grippemittel Tiramiflu wurde in Fließgewässern in so hoher Konzentration nachgewiesen, dass sich die Grippeviren in den Vögeln nicht mehr vermehren könnten, würden diese von dem Wasser trinken. Die Gefahr besteht jedoch, dass einige der Erreger überleben und Resistenzen gegen das Mittel entwickeln.

    Langzeitfolgen – noch unklar

    e4-1-2-3-xart-20978891_xxlAuch wenn die Medikamentenspuren im Trinkwasser derzeit für den Menschen noch weitgehend als unbe­denk­lich eingestuft werden, warnen Experten vor den unerforschten Langzeitfolgen sowie vor unbe­rechen­baren Wirkstoff­kombinationen des wachsenden Pharmazie-Cocktails. Auch über indirekte Wirkungen, wie allergische Reaktionen oder hormonelle Veränderungen ist noch wenig bekannt. Betroffen sind in erster Linie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, wie Babys, Kleinkinder, werdende Mütter oder ältere und kranke Menschen.

    Zum anderen haben wir in der Vergangenheit schon oft die Erfahrung gemacht, dass Stoffe, die lange als unbedenklich galten – wie Contergan oder DDT etc. – später aufgrund neuerer Erkenntnisse als schwer gesundheitsschädigend verboten wurden.

    Mögliche Lösungswege und Vorsorgemaßnahmen

    Da immer mehr Arzneimittelwirkstoffe in Flüssen und Seen sowie auch im Grund- und Trink­wasser ausgemacht werden, wurden in den vergangenen Jahren bereits verschiedenste Forschungs­projekte initiiert. Dabei haben Arzneimittel aus Sicht der Wasser­versorgungs­unternehmen einige äußerst ungünstige Eigenschaften, z.B. sind sie biologisch nicht abbaubar, sind hochwirksam und bestens wasserlöslich.

    Zur Schadensbegrenzung

    … um zumindest einen Teil der Arzneimittelrückstände aus dem Wasser zu filtern:

    Neben der Ozon-Technik ist die Aktiv-Kohle-Technik eine weitere Möglichkeit pharmazeutische Bestandteile vom Wasser zu trennen. Allerdings reagieren nicht alle Bestandteile mit diesen Verfahren. Nach Schätzungen von Experten könnten durch kombinierte Methoden ca. die Hälfte der jetzt bekannten Stoffe aus dem Wasser gefiltert werden.

    Allerdings ist nicht klar, was diese vierte Reinigungsstufe für einen finanziellen Aufwand verursachen würde. Allein bei Aktivkohle gefiltertes Abwasser würde sich der qm-Preis um rund 10 Cent erhöhen.

    Verfahren, die Medikamentenüberreste biologisch herausfiltern, scheitern bisher an der Vielfalt und ständigen Neuentwicklung von pharmazeutischen Wirkstoffen.

    Andere Verfahrensansätze befassen sich mit der Umwandlung von Schadstoffen.

    Neue Verfahren der Gas- und Flüssigchromatographie kombiniert mit der Massenspektrometrie eröffnen die Möglichkeit auch kleinste Dosen von Schadstoffen zu erfassen.

    Zur Prophylaxe

    … um überhaupt keine oder weniger Schadstoffeinträge entstehen zu lassen:

    Vom BMBF und der EU entwickelte Projekte zur Vorsorge reichen von der Entwicklung neuer umweltfreundlicher Wirkstoffe bis zur Schulung von Ärzten und Aufklärungskampagnen für Patienten.

    Darüber hinaus werden in vielen Ländern Stimmen laut, nach gesetzlichen Regelungen zur Abfallbeseitigung in der Pharma- und Chemieindustrie.

    Ein anderer Ansatz ist die Einbindung und Sensibilisierung der Pharmaindustrie: Hier könnten Konzepte entwickelt und gefördert werden, die u.a. auf leichter abbaubare Mittel setzen und so die Belastung des Wassers von vorn herein verringern.

    Desweiteren wird nach bereits funktionierenden Vorbildern Ausschau gehalten: So hat vor einigen Jahren die Waschmittelindustrie positiv darauf reagiert, als bekannt wurde, dass Waschmittel umweltschädliche Stoffe enthielt. Diese wurden durch umweltverträgliche Stoffe ersetzt – und waschen genauso gut.

    Ein anderes Beispiel liefert unser Nachbarland Schweden: Schweden zeigt hier allerdings, dass es auch anders geht und nimmt eine Art Vorreiterrolle ein. Vom Stockholm County Council wurde in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Verband der Pharmazeutischen Industrie und der staatseigenen Apothekenkette ein Punktesystem für die Umweltverträglichkeit von Arzneimitteln entwickelt, das die Lebensdauer der Wirkstoffe, die Anreicherung in Lebewesen und die Giftigkeit der Medikamente für die Umwelt bewertet. Eine erste unvollständige Liste wurde bereits im Internet veröffentlicht.

    Dabei sollen den Patienten keine wirksamen Arzneien vorenthalten werden, sondern es soll lediglich gleichwirksamen Stoffen mit größerer Umweltverträglichkeit der Vorrang gegeben werden. Ein weiteres Ziel ist dabei sicherlich auch die Sensibilisierung der Pharmahersteller, Medikamente mit geringeren Negativ-Auswirkungen auf die Umwelt zu entwickeln.

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    Verbrauchertipp

    Was jeder einzelne – nach dem Vorsorgeprinzip – aktiv zum Schutz des Trinkwassers beitragen:

    • Abgelaufene oder nicht gebrauchte Arzneimittel in der Apotheke abgeben oder im Restmüll entsorgen
    • Wo Möglich den Arzneimittelkonsum einschränken
    • Keine Medikamente horten
    • Immer die kleinstnötige Menge verlangen
    • Bei harmlosen Krankheiten überlegen, ob es auch andere Mittel gibt, als Medikamente der Pharmaindustrie

     
     
     

    Umweltverschmutzung

    Gefährdungen für unser wertvollstes Nahrungsmittel

    e4-1-2-xart-39919009_xxlWenn wir Zuhause den Wasserhahn aufdrehen, dann können wir sicher sein, dass klares, sauberes Wasser aus der Leitung fließt. Zu jeder Zeit, in ausreichender Menge. Denn unser Trinkwasser gehört zu den am strengsten und häufigsten kontrollierten Lebensmitteln überhaupt. Und das ist gut so, denn Wasser ist die einzige wirklich unverzichtbare Ressource unseres Planeten. Das Leben nahm im Wasser seinen Anfang, wir selbst bestehen zu fast 70 Prozent aus Wasser und ohne Wasser können wir nur wenige Tage überleben.

    In Deutschland wird der Großteil unseres Trinkwassers aus Grund­wasser gewonnen. Doch mittlerweile ist die natürliche Grund­wasser­qua­lität immer häufiger durch externe Schad­stoff­ein­träge in Gefahr. Dabei sind Grund­wasservorkommen in der Nähe landwirtschaftlicher Nutzflächen oft besonders hohen Belastungen ausgesetzt. Dabei gehört Nitrat in immer mehr Regionen zu den Stoffen, die die Grundwasservorkommen am stärksten belasten. Aber auch Pflanzenschutzmittel, die zur Ertragssicherung eingesetzt werden, haben unerwünschte Folgen oder Rückstände von Medikamenten.

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    Beispiele möglicher Belastungen im Überblick

    • die Belastung der Böden durch Schwermetalle und andere Umweltchemikalien (Stichwort Altlasten)
    • die anhaltenden Einträge aus der Intensivlandwirtschaft
    • die Verschmutzung durch Medikamentenrückstände
    • Probleme infolge von intensiver Nutzung von Gewässern durch verschiedene Wassersportarten (Öl, Abfälle, Fäkalien).

    Was unsere Trinkwasserqualität außerdem gefährdet

    • Manche der Eintragsstoffe sind sogar für Kläranlagen mit ihren ausgeklügelten Renigungsprozessen nur schwer oder gar abbaubar. Wenn sie im Grundwasser in bedenklichen Konzentrationen nachgewiesen werden, müssen Wasserversorgungsanlagen u.U. abgeschaltet werden und die Versorgung des Gebiets durch andere Wasserversorger übernommen werden.
    • Auch das Erwärmen der Gewässer durch nicht ausreichend abgekühltes Kühlwasser fördert – vor allem im Zusammenwirken mit anderen biologischen und chemischen Belastungen – das Algen- und Pflanzenwachstum.
    • Einfluss auf den Grundwasserspiegel haben außerdem wasserbauliche Maßnahmen, die Förderung von Kohle, Sand und Kies sowie die zunehmende Überbauung von freien Flächen, die die Neubildung von Grundwasser beeinträchtigt.

    Alle Probleme und Herausforderungen erfordern für die Zukunft ein umsichtiges Ressourcenmanagement, Investitionen in innovative Technologien sowie nachhaltige Energieeffizienz-Strategien, um die steigenden Kosten möglichst niedrig zu halten.

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    Wasserschutzgebiete brauchen heute vielfach selber Schutz

    Wasserschutzgebiete – eigentlich dazu da, unsere Grundwasserreservoirs großflächig zu schützen – sind mittlerweile teilweise selbst in ihrer Existenz bedroht oder können ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht werden, weil sie nach neueren geologischen Erkenntnissen ausgeweitet oder verlagert werden müssten. Heute werden nämlich auch Prozesse unterhalb der Erdoberfläche mit einbezogen, wie beispielsweise Fließrichtung und Fließgeschwindigkeit etc. Eine Ausweitung von Wasserschutzgebieten oder ihre Verlagerung stößt jedoch vielerorts auf Widerstand der Anrainer oder Besitzer.

    Die zunehmenden Belastungen der Gewässer können aber im schlimmsten Fall die Selbstreinigungskräfte der Gewässer beeinträchtigen, mit deren Hilfe die Natur “normale” Belastungen durch organische Verunreinigungen selbstständig abbaut: Bei starker Verschmutzung kann der Sauerstoffgehalt des Wasser so weit absinken, dass die Selbstreinigungskräfte überfordert sind – das Gewässer kippt um.

     
     
     

    Problemfelder Wasser

    Gefahren für das Trinkwasser

    Sauberes Wasser ist ein hohes Gut. 2010 erklärte es die UN daher zu einem Menschenrecht. Es gibt ohne Wasser weder Landwirtschaft noch Industrie. Und ohne Wasser kann der Mensch nur wenige Tage überleben. Aber nur 0,3 Prozent der weltweiten Wasservorräte, die sehr ungleich verteilt sind, stehen direkt als Trinkwasser zur Verfügung. Während die Industrie­län­der i.d.R. ausreichend mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser versorgt sind, gilt dies nicht für Milliarden Menschen in den Schwellen- und Entwicklungs­ländern. Doch zunehmend sind auch Länder, die bisher über ausreichend sauberes Wasser verfügten, betroffen. Die Gründe hierfür sind vielfältig:

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    Übernutzung der Wasserressourcen
    D.h. es wird mehr Grundwasser ver­braucht, als die Natur durch Nieder­schläge wieder bereit­stellen kann. Die Verur­sacher kommen vor allem aus der indu­striellen Fertigung, besonders aus der Nahrungs­mittel­produktion. Weltweiter Spitzenreiter beim Wasser­ver­brauch ist eindeutig die Land­wirtschaft, die rund 75 Prozent der Wasser­vorräte verbraucht. > more
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    Bevöl­kerungs­wachstum und demografischer Wandel
    Dieses treibt den Wasser­konsum ebenfalls in die Höhe, indem z.B. der Nahrungs­mittel­bedarf steigt. So wird sich der Wasser­bedarf Indiens bis 2050 laut UNEP-Prognose um ca. 30 Prozent erhöhen. > more

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    Klimawandel
    Die globale Erwärmung wirkt sich direkt auf den globalen Wasserkreislauf aus. Heftigere Regenzeiten, aber auch längere Trockenzeiten in bereits schon trockenen Regionen werden erwartet, was meist unmittelbar Ernteausfällen zur Folge hat. Seit den 1970er Jahren haben sich die „sehr trockenen“ Regionen bereits verdoppelt. Häufigere Dürreperioden werden z.B. zudem für Teile von Südafrika oder Brasilien vorausgesagt. > more
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    Wasserverschmutzung
    Aufgrund der zunehmenden Verstädterung sowie Industrie-Abwässer und -Abfälle nehmen irreversible Umweltschäden zu. Bereits heute sind rund 200 Millionen Chinesen aufgrund eines jahrzehntelangen, unkontrollierten Industriewachstums ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser. > more