Trinkwasserschutz

Trinkwasserquellen bedürfen des besonderen Schutzes

d3-1-4-5-xart-31460219_xxlSauberes Grundwasser ist ein lebens­notwendiger Schatz. Aber Gefahren lauern überall – Ver­un­reini­gungen sind oft schneller passiert als gedacht: Gefahr­gutunfälle, Ver­un­reini­gungen durch industrielle Fertigungs­verfahren, durch Haus- oder Straßenbau, durch Düngemittel oder andere Einträge durch intensiv betriebene Land­wirtschaftliche Methoden oder durch undichte Abwasserkanäle etc.

Unter anderem kommen durch die Energiewende neue Herausforderungen auf den Wasserschutz zu. Beipielsweise kann ein vermehrter Energie­pflanzen­anbau sowie der Anbau von Monokulturen durch intensive Düngung sowie die Auswaschgefahr von Pflanzenschutzmitteln oder Nitrat die Gefahren für das Trinkwasser erhöhen. Hier gilt es beispielsweise alternativ den Anbau grund­wasser­schonender Ener­gie­pflanzen – in enger Kooperation mit der Landwirtschaft – zu testen.

Ausweisung von Wasserschutzgebieten

c2-01-01-23478354Um für die Trinkwasser­reservoirs größtmöglichen Schutz zu gewährleisten, spielt vorsorgender Wasserschutz eine wichtige Rolle. Aus diesen Grund werden Wasserschutzgebiete ausgewiesen. In den Gewinnungsgebieten, in den das Trinkwasser gefördert wird, gelten besondere Bestimmungen zu dessen Schutz. So kann ein Anwendungsverbot für wassergefährdende Stoffe ausgesprochen werden. Aber auch Sand- und Kiesabbau oder anderer Bodenschätze im größen Stil kann ein Grundwasser­reservoir erheblich beeinträchtigen und ist daher nicht erlaubt. Das Gleiche gilt für Bohrungen zur Förderung von Schiefergas oder für Geothermie. Und auch bei der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid müssen mögliche Auswirkungen auf das Grundwasser berücksichtigt werden.

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In Bayern sind rund 5 Prozent der Landesfläche als Wasserschutzgebiete ausgewiesen. Bundesweit sind es im Durchschnitt 13 Prozent. Die Eigentümer werden für die Auflagen der grundwasserschonenden Bewirtschaftung finnaziell von den Wasser­versorgungs­unternehmen entschädigt. Größe und Lage sind abhängig von der natürlichen Schutzwirkung des Bodens sowie die Fließgeschwindigkeit und -richtung des Grundwassers.

Es existieren in Bayern derzeit rund 400 Verfahren, in denen es um Überprüfung und Neuausweisung von Wasserschutzgebieten geht. Diese gilt es möglichst zügig abzuschließen, um auch für die Zukunft ausreichenden Trinkwasserschutz zu gewährleisten.

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Wasserschutzgebiete werden in drei Zonen unterteilt:

Die äußere Zone - Zone III

Diese großräumige Zone soll Schutz vor Verunreinigungen bieten, die schwer abbaubar sind und soll für ausreichende Reaktionszeit sorgen. Bei der Überprüfung eines Schutzgebietes werden die Umwelteinflüsse etc. in dieser Zone untersucht. Aufgrund neuerer Untersuchungen und Erkenntnisse über Gefahren für das Grundwasser muss diese Zone oft erheblich vergrößert werden. Hier gelten strenge auflagen zur Nutzung.

Die mittlere Zone - Zone II

Diese Zone ist so angelegt, dass die Fließzeit des Grundwassers von der Schnittstelle der Zonen III und II bis zur Entnahmestelle des Wassers 50 Tage beträgt. Damit ist erfahrungsgemäß die erforderliche Zeit zum Abbau bakteriologischer Verunreinigungen gewährleistet. Hier ist eine eingeschränkte Nutzung erlaubt.

Die Größe der Schutzzone II ist abhängig von den geologischen Gegebenheiten: Das Grundwasser muss vom Rand der Schutzzone bis zur Quelle fünfzig Tage unterwegs sein, damit der Boden in dieser Frist organische Verunreinigungen bewältigen auf natürliche Weise bewältigen kann. Das bedeutet, dass in Regionen mit lockerem und durchlässigem Boden die Schutzzone deutlich größer sein muss als beispielsweise bei einem dichtem Lehmboden.

Die innere Zone - Zone I

In dieser enggefassten Zone – eingezäunter Bereich des Wasser­versor­gungs­unter­nehmens mit Brunnen bzw. Quelle – ist jegliche Nutzung des Areals verboten. Der Zutritt ist nur befugten Personen erlaubt.

Wasserschutzgebiete brauchen heute vielfach selber Schutz

Um den Schutz zu erhöhen, werden in manchen Regionen beispielsweise angrenzende Gebiete auch als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Doch in der Regel brauchen Wasserschutzgebiete, die unser Trinkwasserquellen schützen sollen, heute vielerorts selbst Schutz, weil sie in ihrer Existenz bedroht sind oder ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht werden können, weil sie nach neueren geologischen Erkenntnissen ausgeweitet oder verlagert werden müssten.

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Um den Schutz unseres Trinkwassers zu gewährleisten, werden nach neueren Erkenntnissen nämlich auch Prozesse unterhalb der Erdoberfläche mit einbezogen, wie beispielsweise Fließrichtung und Fließgeschwindigkeit etc. Doch eine Ausweitung von Wasserschutzgebieten stößt in der Regel auf massiven Widerstand bei den Grundstücksbesitzern und Anrainern, obwohl diese von den Wasserversorgungsunternehmen für eventuelle finanzielle Verluste entschädigt werden. Und auch die bestehenden Gebiete sind keineswegs generell in ihrem Bestand geschützt.

Selbstreinigungskräfte des Grundwassers in Gefahr

e3-5-0-Filter-wasserDie Belastungen der Gewässer und der Wasserschutzgebiete durch vielfältige Schadstoff­einträge beeinträchtigen nicht zuletzt die Selbst­reinigungs­kräfte der Gewässer, mit deren Hilfe sie standardmäßige Belastungen mit organischen Verun­reini­gungen ab­bauen. Bei starker Verschmutzung kann der Sauerstoffgehalt des Wasser jedoch so weit absinken, dass die Selbst­reini­gungs­kraft überfordert wird: Das Gewässer kippt um.

Manche der Eintragsstoffe sind sogar für Kläranlagen nur schwer abbaubar. Wenn sie im Grundwasser in bedenk­lichen Konzentrationen nachgewiesen werden, müssen Wasser­versor­gungs­anlagen u.U. abgeschaltet werden und die Versorgung durch andere Wasser­versorger übernommen werden.

Auch das Erwärmen der Gewässer durch nicht ausreichend abgekühltes Kühlwasser fördert, vor allem im Zusammenwirken mit anderen biologischen und chemischen Belastungen, das Algen- und Pflanzenwachstum.

Einfluss auf den Grundwasserspiegel haben außerdem wasserbauliche Maßnahmen, die Förderung von Kohle, Sand und Kies und die zunehmend Überbauung von freien Flächen, die die Neubildung von Grundwasser beeinträchtigt.