Wasser als Menschenrecht

Erste Schritte in Richtung “Wasser für alle”

Bis zum Jahr 2002 wurde die Tatsache, dass der Zugang zu sauberem Trinkwasser nicht nur ein Bedürfnis, sondern schlicht Lebensgrundlage ist und daher das Recht jedes Menschen sein sollte, in keinem Regelwerk proklamiert. Dies änderte sich erst, als die UN diese Forderung unter Kommentar 15 in die Menschenrechtsdeklaration aufnahm. Zwar nur als “soft law”, d.h. es ist rechtlich nicht bindend oder einklagbar.

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„Ohne Wasser kein Leben“, diese Weisheit ist nicht neu und dennoch gibt es auf der Welt immen­se Probleme hinsichtlich der Wasser­versorgung. Laut WHO und UNICEF wird die Trinkwasserversorgung aus ungesicherten Brunnen und Quellen, aus Karren mit kleinen Tanks oder Fässern, aus Oberflächengewässern sowie aus Flaschen als unzureichend eingestuft. Als verbesserte Trink­wasser­versorgung wird der gesicherte Zugang zu Leitungs­wasser, öffent­lichen Wasserhähnen sowie geschützten Brunnen- und Quellanlagen.

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Von den 192 Mitgliedsstaaten der UN waren bei der „Wasser-Abstimmung“ 163 anwesend, 122 stimmten dafür, 41 enthielten sich. Während so gut wie alle Länder, in denen der Zugang zu sauberem Wasser ein Problem darstellt für die Resolution votierten, waren die Enthaltungen in erster Linie bei den Vertretern der entwickelten Länder zu finden.

e5-1-xart-42023231_xxlUSA enthielt sich der Abstimmung

Der Vertreter Washingtons beispielsweise begründete die Enthaltung seines Landes mit dem Hinweis, dass diese Resolution kein Recht auf Wasser im Sinne des Internationalen Rechts beinhalte.

e5-1-xart-34655530_xlDeutschland votierte für Recht auf Wasser

Deutschland hingegen gehörte zu den entschieden­sten Verfechtern des Rechts auf sauberes Wasser und hätte sich eine am liebsten eine noch dezidiertere Hal­tung in der Resolution gewünscht. Deutschlands UN-Bot­schaf­ters Peter Wittig stellte in diesem Zusam­men­hang fest: „Weltweit haben 884 Millionen Men­schen keinen genügenden Zugang zu sauberem Wasser und mehr als 2,6 Milliarden keinen zu einfachen sanitären Anlagen. Jedes Jahr sterben etwa zwei Millionen Menschen an den Folgen unsauberen Wassers, die meisten von ihnen sind Kinder.“

Symbolischer Akt als Meilenstein

Die durch verun­reinigtes Wasser und mangelnde Sanitäranlagen hervorgerufene Todesfälle übersteigen die von AIDS, Malaria und anderen Krankheiten. Zwar wurde das Recht auf sauberes Wasser verankert, doch es hat in erster Linie symbolischen Wert, da es nicht einklagbar ist. Trotzdem sehen Verfechter dieses Rechts darin einen Meilenstein im Kampf gegen die globale Wasserkrise. Sie hoffen auf ein Umdenken, wünschen sich mehr Einfluss auf die Politik der einzelnen Staaten und setzen darauf, dass das Menschenrecht auf Wasser künftig die Basis für weitere Entscheidungen sein wird.

Wasseraktivistin Maude Barlow fordert gesellschaftliches Umdenken

e5-1-xart-wku-3991794_xlDoch wie kann man dieses Recht auf Zugang zu sauberem Wasser nun in der Praxis wenigstens Schritt für Schritt verwirklichen? Laut der kanadischen Autorin und Wasseraktivistin Maude Barlow sieht in diesem Zusammenhang folgende Möglichkeiten:

  • die Regeln für die Nahrungsmittelproduktion ändern
  • den Schutz von Grundwasserquellen zu forcieren
  • Verstöße gegen den Umweltschutz stärker bestrafen.
  • Außerdem fordert sie ein generelles Überdenken der gesellschaftlichen Grundwerte Globalisierung und unbegrenztem Wachstum, sowie die Rückbesinnung auf nachhaltige und lokale Industrien.

Außerdem ist auch ein Umdenken in den betroffenen Ländern erforderlich, denn unter dem Wassermangel leidet in erster Linie die arme Bevölkerung, während die Oberschicht verschwenderisch mit Wasser umgeht und beispielsweise Golfplätze oder Swimmingpools unterhält.

Das Wassersparen müsste vor allen Dingen vor Ort, in den betroffenen Ländern direkt, beginnen. Denn, wenn in Deutschland Wasser eingespart wird, so ändert sich an den Problemen dieser Länder rein gar nichts. Zudem sollten neue technische Möglichkeiten und Erkenntnisse genutzt werden: So könnten Mikrofilter zur Reinigung, Tröpfchenbewässerung an den Wurzeln der Pflanzen, Auffanganlagen für Regenwasser als Vorsorge für die Trockenzeiten und solarbetriebene Meerwasserentsalzungsanlagen erste Lösungsansätze bieten.

Allein er Bau von Kläranlagen würde schon in manchen Fällen helfen, dass die Flüsse keine fließenden Kloaken mehr sein würden und das Grundwasser nicht mehr durch menschliche Exkremente verseucht würde, sondern das Wasser zumindest soweit recycelt wäre, dass es für die Bewässerung von Feldern nutzbar wäre. Doch oft werden beispielsweise Entwicklungshilfegelder lieber in Prestigeprojekte investiert. Und der Bevölkerung mangelt es aus Unkenntnis oft noch sehr an einem entsprechenden Hygienebewusstsein.

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Aber inzwischen stecken nicht nur Entwicklungs- oder Schwellenländer wie China oder Indien in der Wasserkrise, selbst Länder wie Australien haben extrem damit zu kämpfen. Die Gründe sind Wasserverschwendung durch den Anbau von feuchtigkeitsintensiven Pflanzen wie Reis, Baumwolle und Wein, aber auch der weltweite Klimawandel. In den USA machte unlängst Kalifornien Schlagzeilen, weil dort Wasser rationiert werden musste und selbst in Europa – zum Beispiel in Süden Spaniens, wo viele große Plantagen künstlich bewässert werden – breiten sich wüstenartige Flächen aus. Warnende Zeichen, besonders angesichts des fortschreitenden Klimawandels, von dem niemand verschont bleibt.

Deutschland als eines der wasserreichsten Länder der Welt hat auf den ersten Blick keine Probleme, aber auch hierzulande nehmen Umweltverschmutzungen zu. Und was das Thema Wassersparen angeht, so ist Deutschland im direkten Verbrauch vorbildlich – pro Person verbraucht ein Deutscher rund 121 Liter Leitungswasser am Tag. Allerdings sieht die Bilanz wesentlich dramatischer aus, wenn der tägliche virtuelle Wasserverbrauch in die Wasserbilanz eingerechnet wird. Dann verbraucht ein Deutscher pro Kopf nämlich über 4.000 Liter Wasser. Hier kann also durch nachhaltigen Konsum durchaus aktiv Wasser gespart werden.