Wasser und Religion

“Wasser, du bist die Quelle jedes Dinges und jeder Existenz”
Indische Weisheit

Geweihtes Wasser – Heiliges Wasser

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Rituelle Waschungen, Taufen, geweihtes Wasser und Waschungen spielen in vielen Reliogionen und Glaubensrichtungen seit je her eine große Rolle. Geweihtes Wasser dient der Übertragung des Segens und der Gnade – sowohl auf Menschen, Tiere und Gegenstände. Auch in der frühen griechischen Philosophie spielt Wasser eine große Rolle. Heraklit fasste seine Lehre des werdens und vergehens in dem Zitat “Panta rhei” (Alles fließt) zusammen. Thales aus Milet sah im Wasser einen Urbaustein der Welt.

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Die Rolle des Wassers in Religionen und Schöpfungsmythen – Beispiele:

Babylonische Mythologie

d3-9-1-1-babyl-13175230_s2Im babylonischen Schöpfungsmythos “Enuma Elisch” wurde die Erde aus dem Wasserchaos geboren. Anfangs waren das fruchtbare Salzwasser – Symbol des Weiblichen – und das männliche Süßwasser noch in einem Ur-Ozean vereint, bevor sie sich später teilten.

Hinduismus

d3-9-1-1-hindu-13028010_sIm Hinduismus wird dem Wasser die Kraft der Reinigung zugeschrieben – sowohl des Körpers als auch des Geistes. Im indischen Schöpfungsmythos “Bhavishyotara Purana” gilt Wasser als Ursprung der gesamten Existenz und bringt die Seelen ins Nirvana – zum Ort des ewigen Lebens – oder bis zu einer anderen irdischen Wiedergeburt. In Indiens berühmtesten heiligen Fluss, dem Ganges, der im Himalaja-Gebirge entspringt, reinigen sich die Pilger durch rituelle Waschungen von ihrer Schuld und verbessern damit ihr Karma. Insgesamt gibt es sieben heilige Flüsse in Indien. Das Reinigungsritual bringt die Gläubigen dem Nirwana näher – der Befreiung aus dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburten. Der Verehrung des Ganges liegt der Mythos der Flußgöttin Ganga zugrunde.

Buddhismus

d3-9-1-1-buddh-41609151_sAuch im Buddhismus hat das Wasser eine große Relevanz: Es zählt zu den vier bedeutenden Elementen. Jedoch besitzt das Wasser in Seen, Flüssen oder Meeren bei den Buddhisten keine besondere spirituelle Bedeutung, da es ebenfalsl als vergänglich gilt. Das Wasser in einem Fluss spiegelt aber sozusagen die budhistische Lehre wider: Die klare, ruhige Art eines Flusses steht für den langen Weg der Meditation bis hin zur Erlösung vom Kreislauf der widergeburten. Darum symbolisiert das Element Wasser gleichzeitig auch eine neue, bessere Welt.

Germanische Religion

d3-9-1-1-germ-31057710_sBei den Germanen galten besonders Quellen als heilige Orte. Das Christentum baute später an diesen Orten häufig Wallfahrtskirchen über diese Quellen.
 

Keltische Religion

d3-9-1-1-celtic-DSC00129fkDie Kelten warfen Schmuck und Münzen in Flüsse und Seen. Damit wollten sie den dort lebenden Göttern Dankesopfer bringen.
 

Griechische und Römische Mythologie

d3-9-1-1-roem-24674793_xxlAuch die griechische Mythologie verehrte das Wasser als Quelle des Lebens. Der Meeresgott Okeanos – Sohn des Himmels und der Erde – war einer der zwölf Titanen, der mit Thetys, seienr Schwester und Gattin Flussgötter und Nymphen zeugte. Berühmter Wassergott der griechischen Götterwelt war Poseidon. Seine römische Entsprechung war Neptun, der Gott mit dem Dreizack.

Judentum

d3-9-1-1-judent-39931704_sBeim Auszug der Juden aus der ägyptischen Gefangenschaft wird das jüdische Volk vom Wasser gerettet, indem es sich teilte und am Ende die ägyptischen Verfolger verschlang. Obwohl in der jüdischen Glaubenslehre Naturphänomene nur selten verehrt werden, gibt es auch hier heilige Quellen und Flüsse, wie beispielsweise den Jordan. Brunnen sind in der Bibel Orte, wo sich das Volk Israel sammelt. Außerdem feiern gläubige Juden den Sukkot, das Wasserschöpffest.

Christentum

d3-9-1-1-chr-20839509_sAuch im Christentum ist das Wasser der Ursprung allen Lebens. In der christlichen Schöpfungsgeschichte ist die Welt zuerst von Wasser bedeckt – erst am dritten Tag erschuf Gott das Land. Quellen gelten oft als heilig und es wird ihnen eine besondere Heilkraft nachgesagt. Berühmtestes Beispiel ist Lourdes – bis heute eine beliebte Pilgerstätte. In der Bibel gibt es viele Gleichnisse, die mit Wasser zu tun haben: “Wasser zu Wein” oder “der Gang über das Wasser” zum Beispiel und viele Heilungsgeschichten fanden an Gewässern statt. Außerdem ist der Fisch das Ursymbol der frühen Christen und dymbolisiert das leben schlechthin.

Kleine Exkursion: Die Quellen und die Kirche

Die römische Kirche erkannte schnell die große Bedeutung der Quellenverehrung und kämpfte über Jahrhunderte hinweg aktiv gegen diesen heidnischen „Irrglauben“ an – unter anderem mit Synoden gegen Quell-, Baum- und Steinkulte:

  • 498 setzte das 16. Konzil beispielsweise eine Verurteilung von Personen fest, die Steine anbeten, Fackeln an deren Standorten entzünden, Quellen und Bäume verehren.
  • 731 forderte Papst Gregor III von den Fürsten und Völkern Germaniens, von der heidnischen Weissagung an Quellen und heiligen Hainen abzulassen.
  • 789 verbot Karl der Große per Erlass das Anzünden von Lichtern an Quellen.

Gleichzeitig wurden christliche Kapellen und Kirchen über alten Quellheiligtümern errichtet, um die eigene Herrschaft zu betonen. Dass es in der Offenbarung des Johannes, 21,6, heißt, „ich will den Dürstenden umsonst geben vom Quell des Lebenswassers“ zeugt aber ebenso wie das Taufwasser auch von der ursprünglichen Bedeutung des (Quell-)Wassers im Christentum, die also nicht nur aus der Übernahme heidnischer Gebräuchen resultierte.

Islam

d3-9-1-1-isl-23763286_sIm Islam gilt das Wasser ebenfalls als das Ursymbol des Lebens. Es symbolisiert die Verbindung zum Göttlichen und steht für die Schöpfung, Reinheit, Geborgenheit und Heilung. Im Koran wird Allah oft mit einem grenzenlosen Ozean verglichen. Das Paradies wird als prächtiger Garten beschrieben, durch den kühles und reines Wasser fließt. Daher sind aufwendig angelegte Gärten ein Zeichen des Glaubens an Allah und Sinnbild für das Paradies auf Erden. Nach Überzeugung der Muslime steht allen Gläubigen immer ausreichend Wasser zur Verfügung, während den Ungläubigen das Wasser entzogen wird und ihre Gärten vertrocknen. Muslime waschen sich vor jedem Gebet ihr Gesicht, Hände, Arme und Füße – die sogenannten Gebetswaschungen. Daher befindet sich bei jeder Moschee Becken mit fließendem Wasser.

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Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen,
ist ein Ozean.
Isaac Newton