Fracking

Fracking – ein umstrittenes Verfahren

e4-3-2-xart1-40381053_xxlSeit in den USA mit der sogenannten Schiefer­gaswende die Energiepreise auf das Niveau von rund einem Drittel des deutschen Markts gefallen sind, ist Fracking ein Thema, das auch hierzulande diskutiert wird. Allerdings ist das Thema in Europa mit erheblichen Protesten verbunden, da unkalkulierbare Risiken für die Umwelt und Klima befürchtet werden. Besonders die Grund­wasserressourcen, so die Kritiker, sind bei einem flächen­deckenden Einsatz der risikoreichen Fördertechnologie in Gefahr.

Befürworter setzen dagegen auf eine unabhängige heimische Energieförderung, was die Abhängigkeit von russischen Gasimporten – allerdings nur für einen gewissen Zeitraum – reduzieren würde. Experten schätzen die deutschen Gasvorkommen, die mittels Fracking nutzbar gemacht werden könnten, auf rund 1,3 Billionen m³. Theoretisch würde diese Menge die hiesige Gasversorgung auf circa 13 Jahre lang sicherstellen. Allerdings würde dies – anders als beim konventionellen Fracking der Vergangenheit – aber auch rund 48.000 Bohrungen auf circa 9.300 m² voraussetzen, so eine Hochrechnung des Umwelt­bun­des­amtes. Wobei ein Teil der abbaubaren Schiefergasvorkommen (Shalegas) in Trink­was­ser­schutz­gebieten liegt.

Eine Methode mit erheblichen Risiken

e4-3-2-fracking-gr1Beim Fracking wird eine große Flüs­sig­keitsmenge unter extremem Druck – bis zu 1600 bar – durch ein Bohr­loch in eine Lagerstätte ge­pumpt. Diese Flüssigkeit besteht i.d.R. hauptsächlich aus Wasser. Damit werden unterirdisch künstliche Risse in sonst wenig durchlässigem Gestein – in diesem Fall ansonsten schwer ausbeutbares hartes Schiefergestein – erzeugt, durch die das Gas (oder auch Erdöl), das in winzigen Poren fest eingeschlossen war, zum Bohrloch fließen und gefördert werden kann. Damit sich die Risse nach Abschluss des Pump­vorgangs nicht wieder schließen, müssen dem Wasser zusätzlich Sand und aggressive Chemikalien beigemischt werden, um die Gasvorkommen aus dem unterirdischen Gestein zu lösen.

Derzeit existieren rund 80 chemische Cocktails, die dem Wasser beigegeben werden. Davon hat das Umweltbundesamt in einer Studie allerdings nur 27 als „nicht gefährlich“ deklariert. 25 Mischungen wurden als „gesundheitsschädlich“, sechs als „umweltgefährlich“ und noch einmal sechs als „giftig“ eingestuft. Die Chemikalien dienen verschiedenen Zwecke, bei­spiels­weise verdicken sie das Wasser, damit sich der Sand darin nicht so schnell absetzt. Während ebenfalls eingesetzte Biozide unerwünschtes Bakterienwachstum im Erdinnern verhindern sollen.

Zu den hohen Umweltrisiken durch die Tiefenbohrungen – Verschmutzung des Grund­was­sers, eventuelle Freisetzung von Radioaktivität sowie kleinere Erdbeben – kommt zudem noch ein enormer Verbrauch der weltweit immer knapper werdenden Ressource Wasser hinzu. Denn für jede einzelne Bohrung werden mehrere tausend m³ Wasser – häufig Trinkwasser – verbraucht. D.h. um den Energierohstoff Gas zu gewinnen, muss eine exorbitante Menge des Rohstoffs Wasser eingesetzt werden. Dieser hohe Wasserbedarf dürfte für manche Regionen zusätzlich eine hohe Belastung in der Wasserversorgung mitsichbringen. Desweiteren stellt die Abwasserentsorgung des Fracking-Verfahrens ein weiteres umweltbelastendes Problem dar.

Zur Geschichte des Frackings

Grundsätzlich ist die Methode des Frackings bereits seit über einem halben Jahrhundert bekannt und wird weltweit eingesetzt, um unterirdische Gasvorkommen zu fördern. Allerdings wurde mit diesem Verfahren bisher nur Gas aus sogenannten konventionellen Lagerstätten in gut durchlässigem Sandstein (Tightgas) gefördert. Die Methode wurde 1949 erstmals von US-amerikanischen Geologen genutzt. In Deutschland wurde 1961 das erste Mal „gefrackt“. Man spricht hier von “konventionellem” Fracking.

Bis kurz vor der Jahrtausendwende konnten dabei nur vertikale Bohrungen durchgeführt. Was den Einsatz der Methode erheblich einschränkte. Erst mit der neu entwickelten Technik der horizontalen Bohrungen über mehrere Kilometer wurde Fracking flächendeckend interessant. Seither stieg die Anzahl der Bohrungen massiv an. Auch in Deutschland entfällt circa ein Drittel aller bisherigen rund 300 Bohrungen auf die letzten sieben Jahre.

Diese Bohrungen zur Förderung heimischer Rohstoffe sollen auch weiterhin in Deutschland möglich sein, wobei eine Umweltverträglichkeitsprüfung für konventionelles Fracking in der Planung ist.

Die Situation in Europa – grundlegend anders als in den USA

Für die Energie- und Mineralöl-Unternehmen auf dem europäischen Kontinent spielt Fracking für die Zukunft keine wirklich nenenswerte Rolle. Ein Grund sind die unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse: In den USA gehören Rohstoffe im Boden dem jeweiligen Landeigentümer. In Deutschland und Europa sind sie Staatseigentum und gehören der Allgemeinheit. Außerdem ist die Bevölkerungsdichte in Europa wesentlich höher als in den USA.

Die Haltung der deutschen Politik zu Fracking
  • Die Umweltminister der Bundesländer haben sich gegen Fracking mit toxischen Substanzen ausgesprochen.
  • Das sogenannte konventionelle Fracking (Tightgas) soll durch Auflagen – wie eine Umweltverträglichkeitsprüfung – verschärft werden.
  • Im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD heißt es u.a.: “Trinkwasser und Gesundheit haben für uns absoluten Vorrang.”
  • Die Haltung der EU zu Fracking

    Die Mehrzahl hydrologische Experten sehen in der Tiefenlage der Ressourcenvorkommen allein noch kein höheres Risiko. Aus diesem Grund hat die EU von der früheren Klassifizierung in “konventionelles Fracking” (= in leicht zugänglichen Sandgesteinen) sowie “nicht konventionelles Fracking” (= in sehr tief liegenden, schwer zugänglichen und schwer ausbeutbaren Schiefergesteinen) Abstand genommen. Bei Fracking-Maßnahmen, die künftig besonderen Sicherheitsauflagen unterliegen sollten, spricht sie heute von “Hochvolumen-Fracking”. Damit sind große Fracking-Maßnahmen gemeint, die über 10.000 m³ Wasser benötigen.

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    Hätten Sie’s gewusst?

    Die Gegner von Schiefergas-Fracking haben prominente Unterstützung nicht nur von den Wasserversorgungsunternehmen. Auch die deutschen Bierbrauer wehren sich gegen das technische Verfahren, da sie das Reinheitsgebot des deutschen Bieres gefährdet sehen. Die Branche befürchtet, das ihre Trinkwasserbrunnen verseucht werden könnten. Hier würde es nicht einmal helfen, dass Trinkwasserzonen vor Fracking geschützt würden, denn über 90 Prozent der Mineralquellen in Deutschland liegen außerhalb der ausgewiesenen Wasserschutzzonen.

     
     
     

    Düngemittel • Nitrat

    Ein Problem kehrt zurück

    e4-1-2-2-xart-35623009_xxlEigentlich galt das Nitrat-Problem hier­zu­lande bereits als gelöst, da die Werte seit Mitte der 1980er Jahren kontinuierlich zurückgingen. Nicht zuletzt, weil inno­va­tive, aber teure Techno­lo­gien in der Abwasserentsorgung ihre Wirkung zeig­ten. Doch seit rund zehn Jahren ist ein gegenläufiger Trend zu beobachten. Beson­ders in Gebieten mit intensiver land­wirt­schaft­licher Nutzung.

    e4-1-2-2-xaert-eu-40460619_Doch mittlerweile schlägt die EU Alarm, mahnt die möglichen Umweltfolgen an und droht Deutschland mit Strafe wegen Nichteinhaltung der geltenden EU-Vorgaben. 89 Prozent der Flüsse und Bäche, 57 Prozent aller Seen sowie 38 Prozent der Grund­wasser­leiter seien hierzulande in „schlechtem chemischen Zustand“, wobei für die Nitrat-Grund­wasser­verun­reini­gungen „nahezu ausschließlich die Belastungen aus der Landwirtschaft verantwortlich“ seien, wie das Bundesumweltamt schon im Jahr 2010 feststellte. Die Bundesregierung spricht in ihrem Nitratbericht vom November 2014 davon, dass rund die Hälfte des untersuchten Grund­wassers betroffen ist und erst nach aufwendiger Reinigung den Vorgaben der Trink­wasser­verordnung entspricht, die eine Nitratbelastung von bis zu 50 mg/l erlaubt.

    Was ist Nitrat

    Nitrate sind Verbindungen aus Stickstoff (N) und Sauerstoff (O), die auch in der Natur in überschaubaren Mengen im Boden vorkommen. Pflanzen nehmen über diese Verbindung Stickstoff auf, den sie als essentiellen Nährstoff zum Wachsen brauchen. Doch seit rund zehn Jahren gelangen immer mehr zusätzliche Nitrateinträge in den Boden, die von den Pflanzen nicht mehr aufgenommen werden können. Die leicht löslichen Rückstände verbleiben im Boden und sickern mit der Zeit ins Grundwasser.

    Hauptquellen für die Nitratüberschüsse in Böden und Trinkwasser

    Die größten Nitratquellen - Massentierhaltung und Biogasanlagen:
    • Landwirtschaft – Um die Ernteerträge zu steigern, bringen Landwirte vermehrt stickstoffhaltigen Dünger als Kunstdünger sowie Wirtschaftsdünger – d.h. Gülle und Mist – auf ihren Feldern aus. Doch das alte Rezept „Je mehr, desto besser“ ist hier ein Trugschluss: Was die Pflanzen nicht aufnehmen können, landet im Boden und am Ende in unserem Trinkwasser.
    • Massentierhaltung – Durch die ständig zunehmende, industriell betriebene Massen­tierhaltung werden Tierexkremente in großem Stil produziert – rund 160 Mio. m3. Die Agrarindustrie entsorgt den anfallenden Mist auf einfache Art und Weise – auf den Feldern der umliegenden Bauern.
    • Biogansanlagen – Weiter verschärft wurde das Problem durch die Energieerzeugung durch Biomasse im großen Stil. Hier ist die Anzahl der Anlagen in den vergangenen zehn Jahren um das Vierfache gestiegen. Damit beispielsweise der Mais schneller wächst und möglichst hohe Erträge erzielt, wird viel gedüngt. Doch viel Dünger bedeutet immer auch viel Nitrat. Die bei der Produktion entstehenden Gärreste beinhalten daher i.d.R. eine sehr hohe Nitratkonzentration, die ebenfalls auf den Feldern entsorgt wird.
    • Altlasten – Erschwerend kommt hinzu, dass mittlerweile Nitrate aus Überdüngungen der Böden in den 1960er und 1970er Jahren allmählich bis ins Grundwasser vordringen und damit unser Trinkwasser zusätzlich belastet wird.

    Nitrat-Gefahren für den menschlichen Organismus

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    Grundsätzlich ist nicht das Nitrat selbst die Gefahrenquelle, sondern seine Eigenschaft, sich im Magen in giftiges Nitrit umwandeln zu können. Hiervon sind ganz besonders Säuglinge bis zum sechsten Monat betroffen. Nitrit senkt den Sauerstoffgehalt im Blut und kann zur lebensbedrohlichen Blausucht, zu Herzstillstand oder Versagen des zentralen Nervensystems führen. Säuglinge besitzen im Gegensatz zu Erwachsenen in den ersten Monaten noch sehr wenig Magensäure, die verhindert, dass sich im Darm Baketrien ansiedeln, die Nitrat zu Nitrit umwandeln. Für Erwachsene dagegen können zu hohe Nitratmengen dann gefährlich werden, wenn sich das Nitrat – zu Nitrit reduziert – im Magen mit Aminen zu Nitrosaminen verbindet. Diese gelten schon in kleinen Mengen als krebserregend.

    Gefahren für die Natur

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    • Fischsterben – Durch Nitratüberschuss steigt das Algenwachstum. Für den biologischen Abbau muss die Natur dem Wasser sehr viel Sauerstoff entziehen. Dies wiederum kann zu erhöhtem Fischsterben führen.
    • Artenverlust – Viele Pflanzen wachsen nur auf nährstoffarmen Böden. Diese Flächen gehen aufgrund der starken Überdüngung zurück, die betroffenen Pflanzen verlieren ihren Lebensraum und viele Tiere wiederum ihre Nahrungsquelle.
    • Saure Böden – Zuviel aktiver Stickstoff, wie u.a. in Nitratverbindungen, können Böden versauern. Auch hier kommt es zu Artenverlust. Außerdem können sich Schwermetalle aus dem Boden lösen und ins Trinkwasser gelangen.

    Herausforderung für die Zukunft – Maßnahmen zur Sanierung und Reduzierung

    In den letzten Jahren sind vielerorts bereits Anla­gen zur Denitrifizierung des Trinkwassers in Betrieb genommen worden – allerdings noch nicht flächendeckend, da die Maßnahmen zeit- und kostenintensiv sind. Für eine Reduktion von erhöhten Nitratgehalten bieten sich für Kommunen bzw. Wasserversor­ger verschiedene Möglichkeiten:

    • In zentralen Wasserversorgungsanlagen kann eine Reduktion von erhöhten Nitratgehalten großtechnisch beispielsweise durch zusätzliche Reinigungsstufen während der Aufbereitung, wie katalytische Nitratreduktion oder biologische Denitrifikation, erzielt werden.
    • Eine vielversprechende und wirtschaft­liche Lösung auch für kleinere Wasserversorgungs­unternehmen sind sogenannte Umkehrosmose­anlagen. Damit lässt sich der Nitratgehalt bis zu 50 Prozent reduzieren, gleichzeitig kann auch die Wasserhärte reduziert werden.
    • Eine weitere technische Variante auch für kleinere Wasserversorger sind Ionenaustauschanlagen
    • Eine andere mögliche Maßnahme ist das Bohren neuer und die Stilllegung verseuchter Brunnen.
    • Eine kurzfristige Interimslösung ist der Zukauf von nicht belastetem Wasser von anderen Wassserversorgern. Hier wird das Wasser allerdings nur verdünnt, bis der Grenzwert den gesetzlichen Vorgaben entspricht.

    Lösungengswege – Gesetzliche Maßnahmen erforderlich

    Alle Lösungen – die Bevölkerung trotz steigender Nitratbelastungen ausgelöst durch ökonimische Interessen einzelner Gruppen, auch weiterhin mit sauberem Wasser zu versorgen – sind allerdings mit zusätzlichen Investitionen und damit mit Mehrbelastungen für die Bürger verbunden.

    Wenn es also um eine wirklich nachhaltige Lösung des Problems geht, wird dies nicht ohne Ursachenbekämpfung funktionieren. Die Quellen der Verschmutzung sind ja hinlänglich bekannt. Da eine freiwillige Selbstbeschränkung der Agrarindustrie und Landwirtschaft aufgrund befürchteter Gewinneinbußen bisher nicht viel Erfolg zeigte, könnte u.U. die derzeit neu verhandelte Düngeverordnung ein wirksamerer Hebel sein – vorausgesetzt die Politik setzt die Parameter entsprechend.

     
     
     
     

    Umweltverschmutzung

    Gefährdungen für unser wertvollstes Nahrungsmittel

    e4-1-2-xart-39919009_xxlWenn wir Zuhause den Wasserhahn aufdrehen, dann können wir sicher sein, dass klares, sauberes Wasser aus der Leitung fließt. Zu jeder Zeit, in ausreichender Menge. Denn unser Trinkwasser gehört zu den am strengsten und häufigsten kontrollierten Lebensmitteln überhaupt. Und das ist gut so, denn Wasser ist die einzige wirklich unverzichtbare Ressource unseres Planeten. Das Leben nahm im Wasser seinen Anfang, wir selbst bestehen zu fast 70 Prozent aus Wasser und ohne Wasser können wir nur wenige Tage überleben.

    In Deutschland wird der Großteil unseres Trinkwassers aus Grund­wasser gewonnen. Doch mittlerweile ist die natürliche Grund­wasser­qua­lität immer häufiger durch externe Schad­stoff­ein­träge in Gefahr. Dabei sind Grund­wasservorkommen in der Nähe landwirtschaftlicher Nutzflächen oft besonders hohen Belastungen ausgesetzt. Dabei gehört Nitrat in immer mehr Regionen zu den Stoffen, die die Grundwasservorkommen am stärksten belasten. Aber auch Pflanzenschutzmittel, die zur Ertragssicherung eingesetzt werden, haben unerwünschte Folgen oder Rückstände von Medikamenten.

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    Beispiele möglicher Belastungen im Überblick

    • die Belastung der Böden durch Schwermetalle und andere Umweltchemikalien (Stichwort Altlasten)
    • die anhaltenden Einträge aus der Intensivlandwirtschaft
    • die Verschmutzung durch Medikamentenrückstände
    • Probleme infolge von intensiver Nutzung von Gewässern durch verschiedene Wassersportarten (Öl, Abfälle, Fäkalien).

    Was unsere Trinkwasserqualität außerdem gefährdet

    • Manche der Eintragsstoffe sind sogar für Kläranlagen mit ihren ausgeklügelten Renigungsprozessen nur schwer oder gar abbaubar. Wenn sie im Grundwasser in bedenklichen Konzentrationen nachgewiesen werden, müssen Wasserversorgungsanlagen u.U. abgeschaltet werden und die Versorgung des Gebiets durch andere Wasserversorger übernommen werden.
    • Auch das Erwärmen der Gewässer durch nicht ausreichend abgekühltes Kühlwasser fördert – vor allem im Zusammenwirken mit anderen biologischen und chemischen Belastungen – das Algen- und Pflanzenwachstum.
    • Einfluss auf den Grundwasserspiegel haben außerdem wasserbauliche Maßnahmen, die Förderung von Kohle, Sand und Kies sowie die zunehmende Überbauung von freien Flächen, die die Neubildung von Grundwasser beeinträchtigt.

    Alle Probleme und Herausforderungen erfordern für die Zukunft ein umsichtiges Ressourcenmanagement, Investitionen in innovative Technologien sowie nachhaltige Energieeffizienz-Strategien, um die steigenden Kosten möglichst niedrig zu halten.

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    Wasserschutzgebiete brauchen heute vielfach selber Schutz

    Wasserschutzgebiete – eigentlich dazu da, unsere Grundwasserreservoirs großflächig zu schützen – sind mittlerweile teilweise selbst in ihrer Existenz bedroht oder können ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht werden, weil sie nach neueren geologischen Erkenntnissen ausgeweitet oder verlagert werden müssten. Heute werden nämlich auch Prozesse unterhalb der Erdoberfläche mit einbezogen, wie beispielsweise Fließrichtung und Fließgeschwindigkeit etc. Eine Ausweitung von Wasserschutzgebieten oder ihre Verlagerung stößt jedoch vielerorts auf Widerstand der Anrainer oder Besitzer.

    Die zunehmenden Belastungen der Gewässer können aber im schlimmsten Fall die Selbstreinigungskräfte der Gewässer beeinträchtigen, mit deren Hilfe die Natur “normale” Belastungen durch organische Verunreinigungen selbstständig abbaut: Bei starker Verschmutzung kann der Sauerstoffgehalt des Wasser so weit absinken, dass die Selbstreinigungskräfte überfordert sind – das Gewässer kippt um.

     
     
     

    Trinkwasserschutz

    Trinkwasserquellen bedürfen des besonderen Schutzes

    d3-1-4-5-xart-31460219_xxlSauberes Grundwasser ist ein lebens­notwendiger Schatz. Aber Gefahren lauern überall – Ver­un­reini­gungen sind oft schneller passiert als gedacht: Gefahr­gutunfälle, Ver­un­reini­gungen durch industrielle Fertigungs­verfahren, durch Haus- oder Straßenbau, durch Düngemittel oder andere Einträge durch intensiv betriebene Land­wirtschaftliche Methoden oder durch undichte Abwasserkanäle etc.

    Unter anderem kommen durch die Energiewende neue Herausforderungen auf den Wasserschutz zu. Beipielsweise kann ein vermehrter Energie­pflanzen­anbau sowie der Anbau von Monokulturen durch intensive Düngung sowie die Auswaschgefahr von Pflanzenschutzmitteln oder Nitrat die Gefahren für das Trinkwasser erhöhen. Hier gilt es beispielsweise alternativ den Anbau grund­wasser­schonender Ener­gie­pflanzen – in enger Kooperation mit der Landwirtschaft – zu testen.

    Ausweisung von Wasserschutzgebieten

    c2-01-01-23478354Um für die Trinkwasser­reservoirs größtmöglichen Schutz zu gewährleisten, spielt vorsorgender Wasserschutz eine wichtige Rolle. Aus diesen Grund werden Wasserschutzgebiete ausgewiesen. In den Gewinnungsgebieten, in den das Trinkwasser gefördert wird, gelten besondere Bestimmungen zu dessen Schutz. So kann ein Anwendungsverbot für wassergefährdende Stoffe ausgesprochen werden. Aber auch Sand- und Kiesabbau oder anderer Bodenschätze im größen Stil kann ein Grundwasser­reservoir erheblich beeinträchtigen und ist daher nicht erlaubt. Das Gleiche gilt für Bohrungen zur Förderung von Schiefergas oder für Geothermie. Und auch bei der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid müssen mögliche Auswirkungen auf das Grundwasser berücksichtigt werden.

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    In Bayern sind rund 5 Prozent der Landesfläche als Wasserschutzgebiete ausgewiesen. Bundesweit sind es im Durchschnitt 13 Prozent. Die Eigentümer werden für die Auflagen der grundwasserschonenden Bewirtschaftung finnaziell von den Wasser­versorgungs­unternehmen entschädigt. Größe und Lage sind abhängig von der natürlichen Schutzwirkung des Bodens sowie die Fließgeschwindigkeit und -richtung des Grundwassers.

    Es existieren in Bayern derzeit rund 400 Verfahren, in denen es um Überprüfung und Neuausweisung von Wasserschutzgebieten geht. Diese gilt es möglichst zügig abzuschließen, um auch für die Zukunft ausreichenden Trinkwasserschutz zu gewährleisten.

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    Wasserschutzgebiete werden in drei Zonen unterteilt:

    Die äußere Zone - Zone III

    Diese großräumige Zone soll Schutz vor Verunreinigungen bieten, die schwer abbaubar sind und soll für ausreichende Reaktionszeit sorgen. Bei der Überprüfung eines Schutzgebietes werden die Umwelteinflüsse etc. in dieser Zone untersucht. Aufgrund neuerer Untersuchungen und Erkenntnisse über Gefahren für das Grundwasser muss diese Zone oft erheblich vergrößert werden. Hier gelten strenge auflagen zur Nutzung.

    Die mittlere Zone - Zone II

    Diese Zone ist so angelegt, dass die Fließzeit des Grundwassers von der Schnittstelle der Zonen III und II bis zur Entnahmestelle des Wassers 50 Tage beträgt. Damit ist erfahrungsgemäß die erforderliche Zeit zum Abbau bakteriologischer Verunreinigungen gewährleistet. Hier ist eine eingeschränkte Nutzung erlaubt.

    Die Größe der Schutzzone II ist abhängig von den geologischen Gegebenheiten: Das Grundwasser muss vom Rand der Schutzzone bis zur Quelle fünfzig Tage unterwegs sein, damit der Boden in dieser Frist organische Verunreinigungen bewältigen auf natürliche Weise bewältigen kann. Das bedeutet, dass in Regionen mit lockerem und durchlässigem Boden die Schutzzone deutlich größer sein muss als beispielsweise bei einem dichtem Lehmboden.

    Die innere Zone - Zone I

    In dieser enggefassten Zone – eingezäunter Bereich des Wasser­versor­gungs­unter­nehmens mit Brunnen bzw. Quelle – ist jegliche Nutzung des Areals verboten. Der Zutritt ist nur befugten Personen erlaubt.

    Wasserschutzgebiete brauchen heute vielfach selber Schutz

    Um den Schutz zu erhöhen, werden in manchen Regionen beispielsweise angrenzende Gebiete auch als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Doch in der Regel brauchen Wasserschutzgebiete, die unser Trinkwasserquellen schützen sollen, heute vielerorts selbst Schutz, weil sie in ihrer Existenz bedroht sind oder ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht werden können, weil sie nach neueren geologischen Erkenntnissen ausgeweitet oder verlagert werden müssten.

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    Um den Schutz unseres Trinkwassers zu gewährleisten, werden nach neueren Erkenntnissen nämlich auch Prozesse unterhalb der Erdoberfläche mit einbezogen, wie beispielsweise Fließrichtung und Fließgeschwindigkeit etc. Doch eine Ausweitung von Wasserschutzgebieten stößt in der Regel auf massiven Widerstand bei den Grundstücksbesitzern und Anrainern, obwohl diese von den Wasserversorgungsunternehmen für eventuelle finanzielle Verluste entschädigt werden. Und auch die bestehenden Gebiete sind keineswegs generell in ihrem Bestand geschützt.

    Selbstreinigungskräfte des Grundwassers in Gefahr

    e3-5-0-Filter-wasserDie Belastungen der Gewässer und der Wasserschutzgebiete durch vielfältige Schadstoff­einträge beeinträchtigen nicht zuletzt die Selbst­reinigungs­kräfte der Gewässer, mit deren Hilfe sie standardmäßige Belastungen mit organischen Verun­reini­gungen ab­bauen. Bei starker Verschmutzung kann der Sauerstoffgehalt des Wasser jedoch so weit absinken, dass die Selbst­reini­gungs­kraft überfordert wird: Das Gewässer kippt um.

    Manche der Eintragsstoffe sind sogar für Kläranlagen nur schwer abbaubar. Wenn sie im Grundwasser in bedenk­lichen Konzentrationen nachgewiesen werden, müssen Wasser­versor­gungs­anlagen u.U. abgeschaltet werden und die Versorgung durch andere Wasser­versorger übernommen werden.

    Auch das Erwärmen der Gewässer durch nicht ausreichend abgekühltes Kühlwasser fördert, vor allem im Zusammenwirken mit anderen biologischen und chemischen Belastungen, das Algen- und Pflanzenwachstum.

    Einfluss auf den Grundwasserspiegel haben außerdem wasserbauliche Maßnahmen, die Förderung von Kohle, Sand und Kies und die zunehmend Überbauung von freien Flächen, die die Neubildung von Grundwasser beeinträchtigt.