Zeit der Industrialisierung

Neuzeit – der Wasserbedarf steigt sprunghaft an

In der nachrömischen Zeit erlebte die Aquädukt-Technik erst im 18. und 19. Jahrhundert mit den Anfängen der Industrialisierung eine erneute Blüte im aufstrebenden Europa. Vielerorts besann man sich auf die alte Technik, um die Bevölkerung in den rasch wachsenden Städten ausreichend mit Wasser zu versorgen. Dort konnte die Bevölkerung dann mit Eimern ihr Wasser sozusagen „vor der Haustür“ aus den Gemeinschaftsbrunnen schöpfen.

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Sehr reiche Bürger hatten teilweise sogar Leitungen, die direkt bis ins eigene Haus hinein führten. Daneben dienten die Aquädukte aber auch zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen sowie zur Versorgung ganzer Fabriken.

Technische Revolution ermöglichte neue Formen der Wassserversorgung

Da der Wasserbedarf mit Entstehung der ersten Manufakturen rapide anstieg, wurde verstärkt nach neuen Techniken zur Wassergewinnung gesucht. Außerdem erforderten neue Bergbautechniken wasserableitende Pumpsysteme. In diesem Zusammenhang kam die Technik der Kolbenpumpe, die bereits in den Hochkulturen der Antike bekannt war, in Europa zu neuer Blüte. Ab dem 14. Jahrhundert wurden in der europäischen Trinkwasserversorgung dann vermehrt Pumpen, die mit Luftdruck arbeiteten, eingesetzt.

Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert wurden die Kolbenpumpsysteme immer komplexer. Im Zuge der technischen und industriellen Revolution entstanden hieraus später Pumpsysteme mit modernen Antriebsarten, wie beispielsweise Dampfmaschinen, Turbinen, Windenergie oder Elektrizität. Parallel wurde eine sogenannte Wasserhebemaschine erfunden, die Wasser mit Hilfe großer Mühlräder in höhere Regionen beförderte.

c1-01-01-2713252Im 18. Jahrhundert wurde dann das erste Wasserwerk in Betrieb genommen. Weitere folgten. Es handelte sich um eine Kombination aus einem zentralen Wasserreservoir sowie einem Rohrnetz mit Zuleitungen zu jenen Haushalten, die an die Trinkwasserversorgung angeschlossen waren – damals nur ein Privileg für jene, die es sich leisten konnten. Die einfache Bevölkerung versorgte sich weiterhin bis ins 19. Jahrhundert hinein mit Wasser aus zentralen Brunnen beziehungsweise aus Flüssen, Bächen und Seen. Sie profitierte erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts von den Segnungen einer zentralen Wasserverteilung. Teile der Oberschicht dagegen profitierten in einigen Städten bereits ab dem 18. Jahrhundert vom Luxus einer geregelten Wasserversorgung. Z.B. versorgte ab 1764 in Karlsruhe ein Wasserwerk die dortigen Hofbeamten mit fließendem Wasser.

Erste zentrale Wasserversorgung ab Mitte des 19. Jahrhunderts

Die erste moderne, zentrale Wasserversorgung in Deutschland wurde 1848 in Hamburg etabliert. Nach einem Brand, der große Teile der Stadt zerstört hatte, wurde der englische Ingenieur William Lindley von den Stadtvätern beauftragt, sowohl eine leistungsfähige Trinkwasserversorgung, als auch Abwasserentsorgung für Hamburg zu entwickeln. Sie trug den Namen Stadtwasserkunst/Hamburger Wasserwerke. Allerdings sparte man in Hamburg anfangs aus Geldgründen noch die Filterierungsanlage für das Wasser ein.

Nachdem 1892 jedoch eine Cholera-Epidemie in Hamburg viele Tote forderte, ging man dazu über, das Wasserangebot – in Hamburg stammte es anfangs aus der Elbe – zu filtrieren, da das nahe Altona, dass bereits filtriertes Wasser anbot, von der Epidemie weitgehend verschont worden war. Die Altonaer Wasserversorgung hatte ihre Anlage bereits nach dem Vorbild der Stadt London mit Langsamsandfilterung ausgestattet.

Wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage für eine moderne Wasserversorgung

d3-3-3-xart-bl-2478886Im Zuge der wissenschaftlichen Erkenntnisse, zum Beispiel entdeckte der Nobelpreisträger und Mediziner Robert Koch, dass der Cholera-Erreger, den er entdeckt hatte, über das Trinkwasser verbreitet wurde, setzte sich allmählich die Überzeugung durch, dass eine kontrollierte Trinkwasserversorgung für eine moderne, aufstrebende Gesellschaft unbedingt notwendig sei. Der eigentliche Boom der Wasserversorgung setzte also nicht zuletzt aufgrund der Erkenntnis ein, dass verunreinigtes Wasser die Hauptursache für viele Krankheiten und Seuchen war, die große Teile der Bevölkerung, besonders in den Städten, immer wieder dahinraffte. Andere Städte folgten nun dem Hamburger Beispiel und in der Folgezeit wurde eine Vielzahl chemischer, physikalischer oder biologischer Verfahren entwickelt, die die Reinheit des angebotenen Wassers im Fokus hatten.

Nach der Trinkwasserversorgung wurde auch die Abwasserentsorgung zentralisiert

Ende des 19. Jahrhunderts begann man auch die Abwasserklärung als wichtigen Bestandteil einer funktionierenden Wasserversorgung für die aufstrebenden Industriegesellschaften zu entdecken, die anfangs noch sehr stiefmütterlich behandelt worden waren. Zwar wurden die Abwässer durch Kanäle aus den eng besiedelten Regionen abgeleitet, aber sie flossen nach wie vor ungeklärt in Flüsse und Seen oder wurden in speziellen Gruben gesammelt und beeinträchtigten so nach und nach das Grundwasser.

Die erste Kläranlage wurde hierzulande 1882 in Frankfurt/Main in Betrieb genommen. Doch im Großen und Ganzen wurden die Gewässer auch weiterhin mit Abwässern stark belastet. Erst in den 1970er Jahren wurden Verfahren zur besseren Klärung des Abwassers entwickelt und so konnten endlich viele Gewässer von dem drohenden Umkippen bewahrt werden.

Neueste technische Erfindungen dienten auch dem reinen Vergnügen

d3-3-3-xart-dt_xxl_8503654Mit dem Siegeszug der technischen und wissenschaftlichen Revolution wurden in der Folgezeit immer neue, immer effizientere Pumpen und Druckanlagen erfunden. Dabei wurde die neu entwickelte Technik, die das Wasser in großen Mengen pumpte und beförderte, jedoch nicht nur für technische Belange eingesetzt, sondern parallel dazu auch rein zum Vergnügen – beispielsweise für ästhetische Wasserspiele, wie den Fontana di Trevi in Rom. In ganz Europa kam es förmlich zu einem kreativen Wettstreit auf diesem Gebiet und viele Objekte der Wasserkunst gehören noch heute zu den beliebtesten Fotomotiven der modernen Touristen.

 

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Von der Antike bis zum Mittelalter

Von der Antike bis zum Mittelalter –
als die Wasserversorger als „Künstler“ verehrt wurden

Der erste Aquädukt wurde um rund 690 vor Christi errichtet, um die mesopotamische Großstadt Ninive am Tigris mit Wasser zu versorgen. Mit den Römern verbreitete sich die Technik der Aquädukte – aus dem Lateinischen „aquae ductus“, das bedeutet „Wasserleitung“ – nach und nach im ganzen Nahen Osten und Mitteleuropa.

c1-01-01-1449754_xlMarkantes Kennzeichen sind die teils mehrstöckigen Brückenbauwerke mit ihren imposanten Bogenwölbungen, die zur Überführung der Wasserkanäle zwischen zwei Berghöhen dienten. Wasser wurde so – immer mit einer leichten Abwärtsneigung – über weite Strecken von der Quelle bis zum jeweiligen Bestimmungsort geleitet.

d3-3-3-xart-7400444Die Baumeister, die sich in dieser Zeit gezielt und systematisch mit der Wasserversorgung beschäftigten, genossen ein hohes Ansehen. Die antike bis mittelalterliche Wasserversorgung wurde unter dem Begriff „Wasserkunst“ zusammengefasst. Ihre Baumeister wurden „Kunstmeister“ genannt.

Während der Begriff zunächst nur die Pumpwerke und Wasserbehälter umfasste, galt er später auch für die Gesamtanlage mit Röhrensystemen und Hochbehältern, in denen das Wasser gespeichert wurde. Die ersten Wasserkünste waren vorwiegend aus Holz, später aus Stein. Das erste Röhrensystem bestand aus ausgehöhlten Baumstämmen und leitete das Wasser an die jeweiligen Verbrauchsorte, wie Brunnen, Wasserbütten oder Steintröge.

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Seit der Renaissance- und Barockzeit wurde der Begriff Wasserkunst zudem auch – und heute überwiegend – für kunstvolle Springbrunnen, Fontänen, Kaskaden und Wasserspeier etc. verwendet.

Rückschritt in der europäischen Wasserversorgung im Mittelalter

d3-3-2-xart-11572847Während im Orient beziehungsweise im byzantinischen Reich die Tradition der Aquädukte kontinuierlich weitergepflegt wurde – in Istanbul wird noch heute Wasser mittels eines alten Aquädukts gewonnen – geriet diese, damals äußerst fortschrittliche Technik der Wasserversorgung, in Europa für einige Jahrhunderte in Vergessenheit, nachdem die Römer von den Germanen zurückgedrängt worden waren. Stattdessen wurde Wasser wieder vorrangig aus Brunnen und Fließgewässern in der nahen Umgebung geschöpft. Dabei kamen an Flüssen häufig Schöpfräder zum Einsatz und Grundwasser wurde mittels Laufbrunnen – nur mit Eigendruck betrieben – oder mit Ziehbrunnen, früher auch Sodbrunnen genannt, aus der Tiefe befördert.

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Höfe oder Burgen, die in Niederungen lagen, versorgten sich zudem über sogenannte Sickerschächte, die teilweise bis zu vier Meter tief waren. In der Folge kam es im Mittelalter in den Städten Europas immer wieder zu bedrohlicher Wasserknappheit.

Um nicht zu verdursten, zapften die Bewohner in diesen Trockenzeiten die Quellen direkt an und leiteten das Wasser in Zuleitungsrohren aus Holz und später aus Blei, in ihre Heimatorte. dies war übrigens auch die Zeit, in der viele mitteleuropäische Städte die Wasserversorgung zu einer Aufgabe des Gemeinwesens erhoben.

Wasserverschmutzung – schon im Mittelalter ein Problem

Neben der Wasserknappheit war schon damals die Wasserverschmutzung – beispielsweise durch Tierkadaver oder Abfälle – ein großes Problem, da schwere Krankheiten oder sogar Seuchen drohten. Wer im Mittelalter absichtlich einen Brunnen verschmutzte oder vergiftete, musste daher mit rigorosen Strafen rechnen. Schon damals gab es eine Trennung zwischen Trinkwasserbrunnen und Brunnen, an denen Schmutzarbeiten verrichtetet werden durften, die sogenannten Sudeltröge.

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Extreme Höhenunterschiede – eine besondere Herausforderung für die mittelalterliche Wasserversorgung

Als besondere bauliche Herausforderung gestaltete sich im Mittelalter der Brunnenbau auf den oft hochgelegenen Burgen. Hier mussten die Brunnenschächte, oft bis zu 150 Meter tief, mühsam durch felsiges Gestein ausgehoben werden, um mögliche Grundwasserbestände anzapfen zu können. Zur Sicherung der Wasserversorgung, wurden daher zusätzlich sogenannte Zisternen, das heißt Auffanganlagen für Regenwasser, angelegt. Eine Methode, die auch in anderen Regionen mit häufiger Trinkwasserknappheit angewendet wurde. Um zumindest die gröbsten Verunreinigungen herauszufiltern, wurde das Auffangwasser später zunächst durch Filterzisternen mit aufeinander geschichteten Sandsteinquadern geleitet. Darüber hinaus wurden auch Überreste von hölzernen oder tönernen Röhren gefunden, die zu primitiven Leitungen zusammengesteckt waren. Diese waren allerdings mit den früheren, hoch entwickelten römischen Rohrleistungssystemen in keiner Weise vergleichbar.

 
 
 

Aufgaben für Morgen

Unser Trinkwasser – Verantwortung für die Zukunft

d3-1-3-3-xart-39108946_xxlWasser ist Menschenrecht – so definierte es die UN im Jahr 2010. Auch wenn Wasser immer häufiger als Wirtschafts­gut gesehen wird, so ist es jedenfalls keines, wie jedes andere, denn Wasser ist eine elementare, natürliche Ressource, die für Mensch und Natur unverzichtbare Lebensgrundlage ist.

Eine leistungsfähige Trinkwasserversorgung ist nicht zuletzt wesentlicher Bestandteil einer leistungsfähigen Gesellschaft. In Deutschland ist die gesicherte Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser eine Kernaufgabe der sogenannten „öffentlichen Daseinsvorsorge“ und die obliegt traditionell den Kommunen, deren Aufgabe es ist, gemeinwohl- und nicht profitorientiert zu handeln.

d3-1-3-3-3-23821841-dtschIm Gegensatz zu Kohle, Erdöl oder Erdgas ist Wasser ein regenerierbarer Energieträger, der einem natürlichen Kreislauf unterliegt und bei nachhaltiger Bewirtschaftung immer wieder zur Verfügung steht. Doch obwohl zum Beispiel in Bayern Wasser in bester Qualität reichlich vorhanden ist, stehen die Wasser­ver­sor­ger auch hierzulande vor großen Heraus­forderungen, um ihren Kunden auch künftig sauberes Trinkwasser aus überwiegend naturbelassenem Grundwasser zur Verfügung stellen zu können.

Die Wasserversorgung steht vor großen Aufgaben und Herausforderungen

Auf die Wasserversorger werden künftig große Investitionen zu kommen. Nach den Jahren des Auf- und Ausbaus der technischen Infrastruktur folgt nun eine Phase der technischen Erneuerung bzw. Modernisierung. Wobei negative Umwelt- und Umfeldeinflüsse die Aufgabe nicht einfacher machen – wie beispielsweise

d4-1-1-klimawandel-1000x288 der Klimawandel

u.a. Vorsorge für mehr Flexibilität aufgrund von Wetterextremen

d3-1-1-xart-9861884 der demografische Wandel

weniger Schultern, auf die sich die Kosten für die gestiegenen Anforderungen verteilen sowie

d4-1-0-xart-14489844 zunehmende Umweltverschmutzungen

erhöhte Umweltvorsorge um die Wasserqualität zu schützen

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Mehr denn je sind gezielte Investitionen und intelligentes Management gefordert

Die Aufgaben aufgrund dieser Heraus­for­de­rungen, erfordern ein umfassendes Wasser­management, eine besonders umsichtige Bewirtschaftung sowie gezielte Investitionen in

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  • ein nachhaltiges Ressourcen­management, u.a. einen effizienteren Umgang mit dem knapper bzw. teurer werdenden Faktor Energie,
  • ein vorsorgliches Grundwassermanagement sowie
  • innovative Technologien sowie Konzepte für eine zukunfts­fähige, energieeffiziente und ressourcen­schonende Wasserwirtschaft
  • Damit sich die Wasserversorger künftigen Heraus­for­de­run­gen erfolgreich stellen können, sind vieler­orts umfangreiche Modernisierungs- und Sanie­rungs­maß­nah­men für die nächsten zehn bis 20 Jahre geplant.
Water Safety Plan

Bei den Water-Safety-Plans handelt es sich um Trink­wasser­sicherheits­konzepte, die zur Sicherung der Trinkwasserqualität beitragen sollen. Die Konzepte umfassen alle Stationen des Wassers – vom Wassereinzugs- über das Gewinnungsgebiet bis hin zur „Zapfstelle“. Den Plänen liegt die von der WHO herausgegebene Studie „Managing drinking-water from catchment to consumer“ zu Grunde.

Als Ziel beinhalten die Water-Safety-Plans die Risikominimierung, die bereits beim Grundwasserschutz beginnt, ebenso wie regelmäßige Kontrollen des Trinkwassers. Auf diese Weise sollen negative Einflußfaktoren möglichst frühzeitig erkannt und notwendige Maßnahmen rechtzeitig eingeleitet werden können.

Dies gilt sowohl für Veränderungen in der physikalischen, chemischen und hygienischen Beschaffenheit des Wassers als auch für Mängel an den technischen Einrichtungen. Mit anderen Worten, es handelt sich um eine Prozeßüberwachung der Trinkwasserversorgung, basierend auf einer Definition von Maßnahmen zur Beherrschung von Gefährdungen und deren Überwachung sowie die Kontrolle der Wirksamkeit der Maßnahmen und eine umfassende Dokumentation.

Individuelle Umsetzung

Viele der Vorgaben sind hierzulande jedoch schon längst in dem technischen Regelwerk des DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches) zu finden, ebenso wie Hilfestellungen für Gefährdungsanalysen. Neu beim Water Safety Plan ist allerdings die spezielle systematische Vorgehensweise, die jedoch auf die spezifische Situation des einzelnen Wasserversorgers individuell zugeschnitten werden muß.

Einzel-Elemente

    1. Bestandsaufnahme
    2. Gefährdungsanalyse
    3. Risikoabschätzung
    4. Maßnahmen zur Risikobeherrschung, Validierung und Korrekturmaßnahmen
    5. Dokumentation

 
 
 
 

Wasserversorgung im Wandel

Fortschritt durch Wasserversorgung

Eine funktionierende Wasserversorgung sichert das Überleben und den Wohlstand einer Gemeinschaft. Dies wussten schon unsere Vorfahren. Brunnen, Wasserleitungen, Bewäs­serungs­anlagen und auch Abwasserkanäle sind keine Erfindung der Neuzeit. Die Anfänge der Wasserversorgung liegen bereits zwischen 4.000 bis 8.000 Jahren vor unserer Zeit. Spätestens als die Menschen in der Jungsteinzeit sesshaft wurden, um von Ackerbau und Viehzucht zu leben, begannen sie zu überlegen, wie sie ihre Felder und Tiere am besten großflächig und verlässlich mit dem lebensnotwendigen Wasser versorgen konnten.

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Von damals bis heute war es ein langer Weg und durch die wachsende Zahl der Bevölkerung wurden die Gesellschaften vor immer neue Herausforderungen gestellt. Eine neue Stufe der Herausforderung erfolgte in der Neuzeit durch die Industiailierung, als es galt, immer mehr Menschen in den stetig wachsenden Städten und ihren Ballungsgebieten mit lebens­not­wen­digem Trinkwasser zu versorgen.

Versorgung läßt Verbrauch steigen

Mit der Wasserversorgung entwickelte sich der Wasserverbrauch: Vor der Industrialisierung benötigte ein Mensch 10 bis 30 Liter Wasser täglich, 1950 waren es schon 85 Liter. In den Nachkriegsjahren stieg der Wasserbedarf gewaltig, durch WC und Bäder, Geschirr- und Waschmaschinen, Gartenbewässerung und Autowaschen, öffentliche Einrichtungen, wie Schulen, Krankenhäuser und Schwimmbäder, und natürlich nicht zuletzt durch die Industrie, die Wasser als Brauch- oder Kühlwasser benutzt, außerdem als Rohstoff etwa für das Bierbrauen, die Kunststoffverarbeitung oder das Herstellen von Fotomaterial. Im Rahmen dieses Kreislaufes vermindert sich nicht die Wassermenge, wohl aber verändert sich die Qualität des Wassers und der Gewässer.

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Von den Anfängen

Die Anfänge der Wasserversorgung

Eine funktionierende Wasserversorgung sichert das Überleben und den Wohlstand einer Gemeinschaft. Dies wussten schon unsere Vorfahren. Brunnen, Wasserleitungen, Bewässerungsanlagen und auch Abwasserkanäle sind keine Erfindung der Neuzeit. Die Anfänge der Wasserversorgung liegen bereits zwischen 4.000 bis 8.000 Jahren vor unserer Zeit. Spätestens als die Menschen in der Jungsteinzeit sesshaft wurden, um von Ackerbau und Viehzucht zu leben, begannen sie zu überlegen, wie sie ihre Felder und Tiere am besten großflächig und verlässlich mit dem lebensnotwendigen Wasser versorgen konnten.

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Wie die Steinzeitmenschen an frisches Trinkwasser kamen

Als die Menschen noch Jäger und Sammler waren und als Nomaden lebten, suchten sie jeweils die Nähe von Quellen, Seen, Bächen und Flussläufen auf, wo sie ihr temporäres Lager aufschlugen, um Zugang zu frischem Wasser zu haben. War ein Flussbett ausgetrocknet, wurde so lange gescharrt, bis sich wieder etwas Grundwasser in den Vertiefungen der Wasserlöcher, sammelte. Zudem beherrschten bereits die Menschen in die Technik, kleine Saugbrunnen bauen, um an trinkbares Wasser zu gelangen. Dazu stießen sie ihre Speere in den Boden und stopfen Gras in die entstandenen Löcher, das als eine Art Filter diente. Dann wurde ein hohler Halm in die Mitte gesteckt, mit dem das aus dem Boden sickernde Wasser hochgesaugt wurde.

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Erste Sandsteinbrunnen sind im Mittelmeerraum seit circa 8000 vor Christi nachgewiesen, so beispielsweise auf Zypern oder in Israel. Der mit 15 Metern tiefste Steinzeit-Brunnen Europas stammt aus dem Jahr 5100 vor Christi. Seit etwa 6000 vor Christi gibt es Belege für Holzbrunnen, beispielsweise in Kroatien.

Erste Bewässerungssysteme werden im Zweistromland erfunden

d3-3-1-xart-bl-bw-kanalBereits vor rund 5.000 Jahren durchzogen die ersten Bewässerungskanäle Mesopotamien, das Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, um für eine reichere Ernte zu sorgen. Und im Nachbarland Ägypten wurden etwa zur gleichen Zeit Kanäle gebaut, um Wasser aus dem Nil auf die Äcker umzuleiten. Und auf dem indischen Subkontinent, im heutigen Pakistan, wurden in Mohenjo-Daro, einer Siedlung am unteren Indus, die Überreste von rund 5.000 Jahre alten überdeckten Abwasserkanälen entdeckt. Von einer geschlossenen Kanalisation wird auch aus Ur, der alten Hauptstadt von Mesopotamien, berichtet, Sie wurde vor rund 4.500 Jahren angelegt.

Die ersten bekannten Brunnenanlagen stammen aus dem Ägypten von vor 4.500 Jahren. Dabei gruben die Baumeister so lange senkrecht in die Tiefe, bis sie auf Grundwasser stießen. Aus dem heutigen Iran sind dagegen waagerechte Brunnen bekannt, die dort vor rund 3.000 Jahren als unterirdische Stollen angelegt wurden. Sie hatten ihren Anfang am Rand eines niederschlagreichen Gebirges und endeten in den tiefer gelegenen Siedlungen. Diese Art der Grundwassergewinnung wurde Qanat genannt. Über Ägypten und die Seidenstraße gelangte die Technik bis in den Harz und auf die Kanarischen Inseln. Das Wassertransportsystem der Qanate gilt als Vorläufer der Aquädukte.

 
 
 

Wasserversorgung heute

Kommunen und Zweckverbände als Garanten für Kontinuität in der Versorgung

d3-3-4-xart-14811426Trotz einer flächendeckenden Trinkwasserversorgung kam es bis in die 1960er Jahre in vielen Gebieten Deutschlands regelmäßig zu Wassermangel. Besonders litt Baden-Württemberg in der Sommerzeit unter chronischen Wasserproblemen. Hier gab es besonders viele Regionen, die einen hohen Anteil an Kalkböden aufweisen, wie beispielsweise die Schwäbische Alb. Hintergrund der Wasserknappheit waren nicht mangelnde Niederschläge, sondern die Tatsache, dass die Niederschläge auf der Schwäbischen Alb einfach im porösen Kalkboden versickerten.
 

d3-3-4-xart-22016217Eine Änderung für Baden-Württemberg bewirkte hier erst der Aufbau einer Fernwasserversorgung. Die Bodensee-Wasserversorgung, deren Bau 1954 begann, ist heute die größte Fernwasserversorgung in Deutschland. Es handelt sich dabei um einen Zweckverband, ansässig in Stuttgart, gegründet von 13 Gemeinden im Großraum Stuttgart und der Schwäbischen Alb. Das Werk versorgt heute rund vier Millionen Menschen in über 300 Städten und Gemeinden mit aufbereitetem Trinkwasser aus dem Bodensee.

Verbrieftes Recht auf sauberes Trinkwasser

d3-3-4-xart-21915906Heute hat hierzulande jeder Bürger ein gesetzlich verbrieftes Recht auf sauberes Wasser. Weil es als existenziell eingestuft wird, fallen seine Bereitstellung sowie der freie Zugang für alle Bürger zur Aufgabenstellung des Staates und gehört in den Bereich der sogenannten öffentlichen Daseinsvorsorge. Trinkwasser gilt bei uns als wichtigstes Nahrungsmittel und nicht als einfaches Handelsgut. Daher unterliegt es strengsten Auflagen und Kontrollen.

Zuständig für die öffentliche Trinkwasserversorgung sind bei uns daher in erster Linie die Gemeinden – unter Aufsicht der jeweiligen Bundesländer – aber auch Wasser(zweck)verbände, sowie Wassergenossenschaften. Es gibt rund 6.600 regionale Wasserversorger in Deutschland. Regionen, in denen nicht hinreichend Trinkwasser gefördert werden kann, sind dabei an das seit den 1960er Jahren zügig ausgebaute Fernwassernetz angeschlossen.

EU übernimmt Federführung rund ums Trinkwasser

c1-01-02-19027526_xxlIm Zuge der EU-Entwicklung werden die Wasserrichtlinien mittlerweile großenteils von der Europäischen Union erlassen. Die Europäische Gemeinschaft bestimmt heute die Güteanforderungen nach der Trinkwasserverordnung und erlässt strenge Richtlinien für den Reinheitsgrades des Wassers sowie seine mineralischer Bestandteile. Darüber hinaus kümmert sich die EU gleichfalls um die physikalische, chemische und biologische Reinigung des verbrauchten Wassers in Klärwerken durch eine einheitliche Abwasserregelung.

Seit den 1990er Jahren und unter massivem Privatisierungsdruck aus Brüssel übernehmen aber auch immer mehr private und privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen die Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge. Dadurch wird Wasser doch mehr und mehr zum Konsumgut und die Forderung der UN, dass Wasser ein Menschenrecht ist, tritt teilweise in den Hintergrund. Eine temporäre Entwicklung, die jedoch erfolgreich durch den Widerstand der Bürger – speziell in Deutschland – wieder gestoppt wurde.

Grundsätzlich sind die Regeln für die Wasserversorgung und den Wasserschutz in der EU heute einheitlich geregelt, aber dadurch ist auch die Gestaltungsfreiheit der einzelnen Gemeinden auch eingeschränkter als früher. Seit 2009 gilt auch in Deutschland das geänderte Wasserhaushaltsgesetz auf Basis der allgemeinen europäischen Wasser-Rahmenrichtlinie, das neben verschärften ökologischen Aspekten Wasser nun auch zum „wirtschaftlich nutzbaren Gut“ deklariert.

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