Bakterien und Keime

Wenn Keime oder Bakterien ins Trinkwasser gelangen, kann das die Gesundheit von Menschen und Tieren erheblich beeinträchtigen. Dabei können Keime und Bakterien auf verschiedenste Weise ins Trinkwasser gelangen, z.B. auch über den Wasserhahn, wo sie sich dann in den Trinkwasserleitungen vermehren. In derartigen Fällen wird seitens der Wasserversorger unter anderem mit einer Erhöhung der Chlordosierung reagiert.

Wenn beispielsweise Fäkalkeime, wie E.coli oder coliforme Keime, im Trinkwasser festgestellt werden, ist dies ein klarer Hinweis auf ein Gesundheitsrisiko und das Wasser entspricht nicht mehr den Richtlinien der Trinkwasserverordnung. Laut dieser wird Wasser auf folgende Keime untersucht:

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Bakterien und Keime - Beispiele
Coliforme Keime

Coli-ähnlichen Keime weisen nicht unbedingt auf eine Verschmutzung des Wassers mit Fäkalien hin. Diese können sich nicht nur im Darm, sondern auch in der Natur vermehren. Im wasser können E. coli Keime nur wenige Tage überleben. Können sie dort nachgewiesen werden, handelt es sich also um eine kurz zurückliegende oder aber akute Fäkalienverswchmutzung. Nimmt der Mensch eine größere Menge Wasser mit coliformen Keimen verunreinigtes Wasser zu sich, kann dies zu Durchfallerkrankungen führen.

E. coli

Echerichia coli, kurz E. coli genannt, gehört zu den coliformen Keimen und ist der wichtigste Darmbewohner bei Menschen und bei Warmblütern. Das Bakterium kann im Wasser nur einige Tage überleben, wenn es dort nachweisbar ist, weißt es auf eine akute oder zumindest kurz zurückliegende Verschmutzung mit Fäkalien hin.

In der Darmflora tritt das Bakterium als Vitamin-Produzent, beispielsweise Vitamin K, auf und löst im Normalfall keine Krankheiten aus. Allerdings existiert auch eine Vielzahl von pathogenen Bakterienstämmen. Im ungünstigen Fall kann die Aufnahme von E. Coli in größeren Mengen durchaus zu Durchfallerkrankungen führen. Wir erinnern uns nur an die EHEC-Epidemie im Jahr 2011 als bundesweit an die 4.000 Menschen an dem Keim erkrankten.

Amerikanische Forscher der Auburn University in Alabama haben herausgefunden, dass EHEC-Erreger E. coli 0157:H7 – tagelang auf verschiedensten Oberflächen überleben können, wie Armlehnen, Türgriffe etc. Ausgiebiges Händewaschen hier eine gute Vorsorge.

Legionellen

Legionellen werden für den Menschen dort gefährlich, wo Warmwasseranlagen mit Temperaturen unter 60 Grad Celsius betrieben werden. Wird das Wasser über 60 Grad erhitzt, werden die Keime abgetötet.

Legionellen können über Wassernebel, der beim Duschen entsteht, eingeatmet werden und infizieren in der Folge die Lunge. Das Krankheitsbild reicht – je nach Stärke des Immunsystems – von erkältungsähnlichen Symptomen, die relativ ungefährlich sind, bis zur Lungenentzündung. Die Erkrankung kann im schlimmsten Fall zum Tod führen. Experten gehen davon aus, dass hierzulande mehrere 10.000 Menschen aufgrund von Legionellen erkranken. Rund 1.000 sterben infolge der Erkrankung.

Enterokokken

Enterokokken gehören zu den Fäkalstreptokokken und sind ebenfalls natürliche Darmbewohner. Rund 25 Enterokokken sind bisher bekannt, die beim Menschen, aber auch bei Tieren eine wichtige Rolle bei der Verdauung übernehmen. Einige werden aus diesem Grund auch in probiotischen Lebensmitteln eingesetzt, da sie die Darmflora fördern. Darüber hinaus spielen sie beim Reifungsprozess verschiedener Käsesorten, wie Camenbert oder Büffel-Mozzarella, eine tragende Rolle.

Werden sie im Trinkwasser entdeckt, weist dies auf eine mögliche Verunreinigung des Trinkwassers durch Fäkalien hin. Im Gegensatz zu E. coli können Enterokokken einige Wochen außerhalb des Darms überleben. Das heißt, die Verunreinigung kann in diesem Fall schon längere Zeit zurückliegen.

Pseudomonas aeruginosa

Das Bakterium kommt häufig vor in der Natur – in feuchten Böden, in Oberflächengewässern, aber auch in sanitären Anlagen etc. Der Nasskeim zählt außerdem zu den Keimen, die häufig in Krankenhäusern vorkommen. Es kann selbst in einigen Desinfektionsmitteln oder in destilliertem Wasser überleben und sich vermehren, vorausgesetzt, dass es winzigste Mengen von organischen Substanzen findet.

Werden Pseudomonas aeruginosa-Keime im Trinkwasser entdeckt, besteht die Möglichkeit, dass Oberflächenwasser ins Grundwasser eingedrungen ist, oder aber dass das Trinkwasser bei bei der direkten Gewinnung aus Oberflächenwasser verunreinigt war. In warmen Ländern kann dieser Keim u.U. das Poolwasser verunreinigen und beispielsweise eine Mittelohrentzündung auslösen, falls das Wasser nicht ausreichend mit Chlor desinfiziert wurde.

Seine besondere Gefährlichkeit liegt darin, dass er eine Mehrfachresistenz gegenüber Antibiotika entwickelt hat. Bei rund zehn Prozent aller Krankenhausinfektionen spielt dieser Keim eine Rolle. Das Krankheitsspektrum, dass Pseudomonas aeruginosa auslösen kann ist äußerst vielfältig, besonders bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem – es reicht von Hirnhautentzündung über Mittelohrentzündungen, Harnwegsinfektionen oder Pneumonien etc.

Clostridium perfringens

Der Keim ist äußerst robust und kann außerhalb des Darms sehr gut überleben. Er gehört zur Gruppe der Gasbranderreger, einer äußerst gefährlichen Weichteil-Infektion. Darüber hinaus kann Clostridium perfringens das Zentrale Nervensystem schädigen. Der Erreger kommt sowohl im menschlichen und tierischen Darm, aber auch im Boden, in Wasser, in Staub und in Lebensmitteln vor. Im Boden gehören die Mikroorganismen beispielsweise zu den wichtigsten Abbauhelfern für Cellulose. Er kann als Indikator für eine Wasserverunreinigung angesehen werden, die Wochen und Monate zurückliegt.

Bestimmung der Gesamtkeimzahl

d3-5-1-3-xart-20271236Die Gesamtkeimzahl wird ermittelt, indem 1 Liter Wasser mit einem Nährmedium vermischt und dann „bebrütet“ wird. Die Methode wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt und wird noch heute für eine hygienische Untersuchung des Trinkwassers eingesetzt. Damals hatten Nobelpreisträger und Mediziner Robert Koch und seine Mitarbeiter festgestellt, dass eine Gesamtkeimzahl unter 100 für die menschliche Gesundheit unbedenklich ist.