Wasserversorgung heute

Kommunen und Zweckverbände als Garanten für Kontinuität in der Versorgung

d3-3-4-xart-14811426Trotz einer flächendeckenden Trinkwasserversorgung kam es bis in die 1960er Jahre in vielen Gebieten Deutschlands regelmäßig zu Wassermangel. Besonders litt Baden-Württemberg in der Sommerzeit unter chronischen Wasserproblemen. Hier gab es besonders viele Regionen, die einen hohen Anteil an Kalkböden aufweisen, wie beispielsweise die Schwäbische Alb. Hintergrund der Wasserknappheit waren nicht mangelnde Niederschläge, sondern die Tatsache, dass die Niederschläge auf der Schwäbischen Alb einfach im porösen Kalkboden versickerten.
 

d3-3-4-xart-22016217Eine Änderung für Baden-Württemberg bewirkte hier erst der Aufbau einer Fernwasserversorgung. Die Bodensee-Wasserversorgung, deren Bau 1954 begann, ist heute die größte Fernwasserversorgung in Deutschland. Es handelt sich dabei um einen Zweckverband, ansässig in Stuttgart, gegründet von 13 Gemeinden im Großraum Stuttgart und der Schwäbischen Alb. Das Werk versorgt heute rund vier Millionen Menschen in über 300 Städten und Gemeinden mit aufbereitetem Trinkwasser aus dem Bodensee.

Verbrieftes Recht auf sauberes Trinkwasser

d3-3-4-xart-21915906Heute hat hierzulande jeder Bürger ein gesetzlich verbrieftes Recht auf sauberes Wasser. Weil es als existenziell eingestuft wird, fallen seine Bereitstellung sowie der freie Zugang für alle Bürger zur Aufgabenstellung des Staates und gehört in den Bereich der sogenannten öffentlichen Daseinsvorsorge. Trinkwasser gilt bei uns als wichtigstes Nahrungsmittel und nicht als einfaches Handelsgut. Daher unterliegt es strengsten Auflagen und Kontrollen.

Zuständig für die öffentliche Trinkwasserversorgung sind bei uns daher in erster Linie die Gemeinden – unter Aufsicht der jeweiligen Bundesländer – aber auch Wasser(zweck)verbände, sowie Wassergenossenschaften. Es gibt rund 6.600 regionale Wasserversorger in Deutschland. Regionen, in denen nicht hinreichend Trinkwasser gefördert werden kann, sind dabei an das seit den 1960er Jahren zügig ausgebaute Fernwassernetz angeschlossen.

EU übernimmt Federführung rund ums Trinkwasser

c1-01-02-19027526_xxlIm Zuge der EU-Entwicklung werden die Wasserrichtlinien mittlerweile großenteils von der Europäischen Union erlassen. Die Europäische Gemeinschaft bestimmt heute die Güteanforderungen nach der Trinkwasserverordnung und erlässt strenge Richtlinien für den Reinheitsgrades des Wassers sowie seine mineralischer Bestandteile. Darüber hinaus kümmert sich die EU gleichfalls um die physikalische, chemische und biologische Reinigung des verbrauchten Wassers in Klärwerken durch eine einheitliche Abwasserregelung.

Seit den 1990er Jahren und unter massivem Privatisierungsdruck aus Brüssel übernehmen aber auch immer mehr private und privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen die Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge. Dadurch wird Wasser doch mehr und mehr zum Konsumgut und die Forderung der UN, dass Wasser ein Menschenrecht ist, tritt teilweise in den Hintergrund. Eine temporäre Entwicklung, die jedoch erfolgreich durch den Widerstand der Bürger – speziell in Deutschland – wieder gestoppt wurde.

Grundsätzlich sind die Regeln für die Wasserversorgung und den Wasserschutz in der EU heute einheitlich geregelt, aber dadurch ist auch die Gestaltungsfreiheit der einzelnen Gemeinden auch eingeschränkter als früher. Seit 2009 gilt auch in Deutschland das geänderte Wasserhaushaltsgesetz auf Basis der allgemeinen europäischen Wasser-Rahmenrichtlinie, das neben verschärften ökologischen Aspekten Wasser nun auch zum „wirtschaftlich nutzbaren Gut“ deklariert.

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