Trinkwasserwege

Vom Ursprung bis zum Wasserhahn

Die Bereitstellung und Versorgung der Bürger mit frischem, sauberen Trinkwasser gehört in Deutschland zur öffentlichen Daseinsvorsorge. Eine Kernaufgabe, die hierzulande in den allermeisten Fällen nach wie vor in der Hand der Kommunen oder bei anderen Körperschaften des öffentlichen Rechts liegt, da diese am Gemeinwohl orientiert und nicht profitorientiert handeln. Das dies so bleibt – dafür setzten sich in Deutschland sowohl die Bürger als auch die Politik ein. Aus diesem Grund gibt es – im Gegensatz zu anderen Ländern – hierzulande nur wenig zentrale und private Betreiber von Wasserversorgungsunternehmen.

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d3-1-4-2853603_xxlDas Trinkwasser, das täglich ausreichend, gekühlt und sauber aus unserem Wasserhahn fließt, hat i.d.R. nur einen kurzen Weg zurückgelegt. Denn in Deutschland ist die Wasserversorgung regional, meist durch die Kommunen, organisiert – es gibt bundesweit insgesamt mehr als 6.000 Wasserversorgungsunternehmen.
 

Aufstellung der bayerischen Wasserwirtschaft

Die bayerische Wasserwirtschaft umfasst rund 4.400 Unternehmen. Ihre Aufgabe: Die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser bzw. die Abwasserentsorgung. Rund 1.827 Wasserversorger in Bayern verfügen über eine eigene Gewinnungsanlage. Ein Teil beschäftigt sich entweder mit der Gewinnung, ein anderer Teil mit der Entsorgung und wiederaufbereitung von Abwasser, wieder andere sind sowohl für Ver- als auch für Entsorgung zuständig. Rund 200 bayerische Wasserwirtschaftsbetriebe sind so genannte Mehrspartenunternehmen. Neben der Wasserversorgung übernehmen sie auch Aufgaben der Energieversorgung – Strom und/oder Gas oder auch andere kommunale Aufgaben. Ungefähr 500 Wasserversorger in Bayern, die keine eigene Trinkwassergewinnungsanlage betreiben, betreiben jeweils nur die Ortsnetzverteilung und beziehen ihr Wasser von Vorlieferanten. Um die Abwasserentsorgung kümmern sich ca. 2.000 Unternehmen.

Die Größe und das jeweilige Versorgungsgebiet der einzelnen Unternehmen variieren stark. Im ländlichen Raum beliefern kleinere Unternehmen, die sich interkommunal oftmals zu Zwecksverbanden zusammengeschlossen haben, um für die steigenden Herausforderungen der Zukunft gerüstet zu sein. In Ballungsgebieten versorgen dagegen oft größere Unternehmen eine große Zahl der Bevölkerung.

Insgesamt sind bundesweit rund 60.000 Mitarbeiter dafür verantwortlich, das jährlich rund 5,2 Kubikmeter frisches Trinkwasser für die Verbraucher bereitgestellt werden. Das gesamte Leitungsnetz in Deutschland beträgt – aneinandergereiht – rund 530.000 Kilometer. Zum Vergleich, die Entfernung zwischen Mond und Erde beträgt rund 384.400 Kilometer.

Durch die regionale Struktur der Wasserversorgung ist der Weg von der „Quelle“ bis in die Haushalte i.d.R. sehr kurz – was nicht zuletzt der Ökobilanz des Trinkwassers zu Gute kommt, da lange Transportwege – wie beispielsweise bei den meisten Mineralwässern – entfallen. Außerdem kann aufgrund der kurzen Wege in den meisten Fällen auf Chlorbeigaben als Desinfektionsmittel verzichtet werden.

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Hätten Sie’s gewusst?

Die Frage, ob gereinigte Abwässer direkt in den Trinkwasserkreislauf zurückfließen, kann mit NEIN beantwortet werden. Nach der aufwendigen und kostenintensiven Abwasserreinigung durch unterschiedliche Verfahren wird das gereinigte Wasser in einen Bach oder Fluss – Vorfluter genannt – geleitet, dort sorgt die Natur dafür, das Klärwasser noch weiter zu reinigen. Durch regelmäßige Kontrollen wird verhindert, das eventuelle Rest-Schadstoffe in den Vorfluter gelangen.

Wenn beispielsweise an öffentlichen Brunnen das Schild „Kein Trinkwasser“ zu lesen ist, bedeutet dies nur, dass der örtliche Wasserversorger den Brunnen nicht regelmäßig auf Qualität und Unbedenklichkeit kontrolliert und keinerlei Regressansprüche angemeldet werden können. Ansonsten fließt hier durchaus Trinkwasserqualität aus dem Hahn.

 
 
 

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