Gletscherwasser

Wassergewinnung aus Eisbergen

In Bayern wird das Trinkwasser wird die überweigende Menge des Rohwassers als Basis für unser Trinkwasser aus Brunnen gewonnen, die Grundwasserreservoirs anzapfen. Lediglich in einigen wenigen Regionen ist Wasser Mangelware. Deutschland und besonders Bayern gehören ansonsten zu den wasserreichsten Ländern der Erde. Anders sieht es da in vielen anderen Regionen der Welt aus. Dort herrscht zunehmend Wasserknappheit. Wissenschaftler sehen sich daher nach alternativen Wassergewinnungsmethoden um und sind dabei auch auf das riesige Süßwasserreservoir – die Gletscher – gestoßen. In ihnen sind rund 75 Prozent des auf der Erde vorhandenen Süßwassers gebunden.

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Wassenschaftler gehen davon aus, dass bereits 2025 rund 50 Länder der Erde immense Probleme damit haben werden, ihre Einwohner mit ausreichend Trinkwasser zu versorgen. Gleichzeitig brechen jedoch alljährlich Milliarden von Tonnen Eis von den Gletschern ab und schmelzen im Meer, wo sie sich mit Salzwasser verbinden.

Gletscherwasser gilt aus besonders rein, da es bereits vor Jahrtausenden gefroren ist – also zu einem Zeitpunkt, als es noch keine Umweltverschmutzung gab. Somit handelt es sich also um absolut sauberes Trinkwasser. Nun liegt der Gedanke natürlich nahe, dieses Wasser statt es in den Ozeanen ungenutzt „versinken“ zu lassen, zur Trinkwasserversorgung zu nutzen. Laut Expertenmeinung würden die Ressourcen reichen, die ganze Welt mit ausreichend Wasser zu versorgen.

Luxusartikel Eiswasser

e3-8-9-gletschw-8740064_xxlDerzeit wird bereits Trinkwasser aus Gletscher­was­ser gewonnen, allerdings nur für Privatkunden, die das Besondere lieben und es sich auch etwas kosten lassen. Denn Gletscherwasser ist ein echter Luxusartikel. Zu seiner Gewinnung werden mit Baggern kleine Stücke vom ewigen Eis ab­ge­bro­chen, geschmolzen und abgefüllt. Diese Form der aufwendigen Wassergewinnung eignet sich natür­lich nicht für eine umfassende, bezahlbare Trink­wasser­gewinnung für die übrige Erdbevölkerung.

E3-8-9-EISBRECH-34916802_xxErnst zu nehmender ist hier ein Verfahren, das bisher bei Kollisionsgefahr von Schiffen und Ölplatt­formen mit Glet­schern eingesetzt wird: Sobald ein Eisberg auf Kollisionskurs ist, wird er von einem Spezial­schiff umgeleitet. Nun könnte man das schwimmende Trink­wasser­reser­voir ganz einfach in die benötigte Richtung zur weiteren Verwertung lenken. Allerdings sollte der Transport nicht zu lange dauern, da die Eisberge in wärmeren Gewässern schnell schmelzen würden. Als erstes schmelzen die Teile unter Wasser und somit rund 85 Prozent des schwimmenden Eisbergs. Hier geht der Schmelzprozess bedeutend schneller vonstatten, während das Weiß des Eisbergs über der Wasseroberfläche die Sonne reflektieren und ihr so länger standhalten kann.

Allerdings – so wie Wissenschaftler aus Klimagründen dar­über nachdenken, die Gletscher derzeit mittels einer Thermo­hülle überhaupt vor dem Schmelzen zu bewahren, könnte man dieses Verfahren auch auf die schwimmenden Eisberge anwenden. Das Ganze steckt auf jeden Fall noch in den Kinderschuhen, denn erstens müssten Geldgeber gefun­den und zweitens müsste zunächst einmal erforscht werden, ob eine derartige Praxis nicht doch mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt verbunden wäre.

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Realisierbarkeit bewiesen

Neu sind diese Überlegungen grundsätzlich nicht. Bereits vor 40 Jahren kam der französische Ingenieur Georges Mougin auf die Idee, Eisberge dorthin zu transportieren, wo ihr Schmelzwasser gebraucht wird. Und bereits in den 1970er Jahren hatten Saudi Arabische Scheichs einen Polarexperten beauftragt, einen Eisberg ins Rote Meer zu verfrachten, was jedoch nicht gelang. Auch weitere Eisbergprojekte waren bisher aus technischen und finanziellen Gründen zum Scheitern verurteilt.

Seitdem arbeiten Wissenschaftler – Gletscherforscher, Meteorologen und Ozeanologen – an weiteren Ideen zur Umsetzbarkeit des ehrgeizigen Plans. Besonders da sie inzwischen mittels Computerberechnungen und -animationen die grundsätzliche Realisierbarkeit eines derartigen Projekts bewiesen haben. Geplant ist nun, vor der Küste Kanadas einen Eisberg zu kapern und ihn zu den Kanarischen Inseln zu transportieren.

 
 
 

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