Situation in Europa

EU-weite Anstrengen zur Sicherung und Verbesserung der Wasserqualität

e3-2-2-10089486_xxlt

Mit der Verabschiedung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Jahr 2000 reagierte die EU auf die alarmierenden Fakten der allgemeinen Wassersituation in Europa:

  • Rund 70 Prozent der Oberflächengewässer und 75 Prozent des Grundwassers sind durch Verschmutzungen oder anderweitig gefährdet.
  • Rund 60 Prozent der europäischen Städte betreiben Raubbau an ihren Grundwasserressourcen
  • Insgesamt sind rund 50 Prozent der Grundwasservorkommen aller Feuchtgebieten von Raubbau gefährdet
  • Rund 40 Prozent der europäischen Gewässer – Flüsse, Seen, Küstengebiete – zeigen Anzeichen von Nährstoffanreicherungen
  • Seit 1985 haben die landwirtschaftlichen Flächen, die bewässert werden müssen, um 20 Prozent zugenommen

Hauptverursacher der zunehmenden Qualitätsbeeinträchtigung europäischer Gewässer sind sowohl Privathaushalte als auch Industrie und Landwirtschaft, die chemische Schad- und Nährstoffe verwenden oder in die Gewässer ableiten.

Grenzüberschreitende Flussgebiete können nur gemeinsam geschützt werden

e3-2-2-bl2-1000x200

Die EU hat die Fluss- bzw. Wassereinzugsgebiete auf dem Kontinent, die sich über ca. 60 Prozent des gesamten EU-Gebiets erstrecken und jeweils den gesamten Lauf – von den Quellen kleiner Zuläufe bis zur Mündung an den Küstengebieten, die Grundwasservorkommen eingeschlossen umfassen – erstrecken, in insgesamt 110 Flussgebietseinheiten unterschiedlicher Größe unterteilt. Doch Flüsse machen nicht an nationalen Grenzen Halt – 40 davon haben grenzüberschreitenden Charakter. So durchfließt die Donau beispielsweise zehn Länder. D.h. die Anrainer teilen sich die Nutzung ihrer Gewässer mit Nachbarländern.

Diese Gewässergebiete können nur nachhaltig geschützt und für alle – inklusive künftiger Generationen – erhalten werden, wenn alle Anrainerstaaten bzw. -regionen verantwortlich zusammenarbeiten und ihre Nutzungsmaßnahmen koordinieren. Eine wesentliche und dringende Maßnahme ist dabei eine einheitliche Regelung aller die Gewässer potenziell verunreinigenden und schädigenden Aktivitäten und Verwendungszwecke. Dabei handelt es sich bei der Bewirtschaftung von Wasserressourcen grundsätzlich um ein äußerst komplexen Prozess. Viele Akteure sind beteiligt – von Behörden über Unternehmen bis hin zur Öffentlichkeit.

e3-2-2-bl3

Ein Wasserbewirtschaftungskonzept, das alle Grenzen überwindet

Mit der Wasserrahmenrichtlinie hat die EU einen zukunftsweisenden Schritt unternommen, den Schutz und die Sanierung der überlasteten europäischen Gewässer in einer gemeinsamen Anstrengung zu organisieren.

Die europäische Wasserrahmenrichtlinie ist ein ehrgeiziges und innovatives Konzept, das sich an den natürlichen hydrogeologischen Formationen und natürlichen Flussarealen orientiert und nicht an politischen Grenzen und nationalen Verwaltungsvorschriften. Ein einziger gemeinsamer Aktionsrahmen für alle bestimmt hier den Handlungs- und Zeitplan. Wobei die Gewässersituationen EU-weit sehr stark variieren.

Wasserstress in Europa?

Gemeinhin verbindet man Europa nicht mit Begriffen wie Trockenheit, Dürre oder Wasser­mangel. Und doch – fast die Hälfte der Europäer leben in Ländern mit Wasser­knapp­heit, die ihre vorhandenen Süßwasserquellen überstrapazieren. So wurden 2004 rund 50 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs in Tschechien und in Estland für die Energiegewinnung benötigt.

e3-2-2-8017911_xlEin weiteres gravierendes Problem ist dabei auch die wachsende Umwelt­ver­schmutzung, die bestehende Trink­was­ser­reservoirs vergiftet. Immer häufiger gelangen gefährliche Chemikalien in die Gewässer – von Nutzflächen mit inten­si­ver Landwirtschaft, durch Industrie­an­lagen oder auch von Abfalldeponien. Hinzu kommen teilweise noch Altlasten, denn Wasser hat ein langes Gedächtnis und es dauert oft Jahre und Jahrzehnte, bis die Umwelt­sünden der Vergangenheit die Grundwasserreservoirs erreichen. Besonders bedenkliche Schadstoffe sind Nitrate aus Düngemitteln, Hormone und andere Rückstände aus Pharmaprodukten sowie phosphor­haltige organische Verbindungen, Schwermetalle und Schwebstoffe.

e3-2-2-3213515_xlDabei fördern Abwasser- und Düngekonzentrationen in den Gewässern die Nährstoff­an­reicherung sowie das Wachstum pflanzlicher Schadorganismen, die das normale Ökosystem beinträchtigen und Fischen den Sauerstoff entziehen. Mit Algen überwucherte Gewäs­ser verlieren ihre Schönheit und ihren Freizeitwert, ja sie können sogar ein Gesundheitsrisiko darstellen.

Des Weiteren kann der Bau von Staudämmen und Bewässerungssystemen etc. Schäden hervorrufen, denn diese Projekte verändern den Wasserstand, was zur Grundwasser­absenkung in anderen Gebieten führen kann oder behindern das natürliche Strömungs­verhalten, was wiederum funktionierende Ökosysteme zerstört. Auch die vermehrte Verwendung von Gewässern zur Kühlung oder das häufigere Auftreten regionsfremder Arten führen zu unerwünschten Umweltfolgen.

Problemlösungsvorschläge der EU
  • Maßnahmen zur Verbesserung des Volumens und des Qualitätszustands europäischer Gewässer sind u.a.:
  • Aufklärung der Verbraucher, bezüglich weniger Verwendung von Chemikalien sowie weniger Ressourcenverschwendung
  • Änderung der Landnutzungsbestimmungen und der Bewirtschaftungspraktiken, d.h. gezielte Auswahl der angebauten Kulturpflanzen und dadurch Reduzierung der Bewässerung
  • Konsequente Kontrolle der Umweltverschmutzung, z.B. Umsetzung der Nitratrichtlinie, die bereits 1991 von der EU erlassen wurde, aber beispielsweise von Deutschland erst gar nicht und dann nicht im vollen geforderten Umfang umgesetzt wurde. Hier drohen als Konsequenz Strafen.
  • Wiederherstellung von Feuchtgebieten

EU-weite Proteste verhindern eine Liberalisierung des Wassermarktes

Eine andere Maßnahme, die auch die europäische Wasserversorgung betraf, war die EU-Konzessionsrichtlinie zur EU-weiten Vereinheitlichung der Vergaberechte. Doch hier regte sich Eu-weit der Widerstand der Bürger, die eine Privatisierung “durch die Hintertür” befürchteten. Über 1,5 Millionen besorgte Bürger in sieben europäischen Ländern hatten im Rahmen des ersten gemeinsamen EU-Protests eine Petition für den freien Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung unterzeichnet.

Nach der Finanzkrise von 2008 und der anschließenden Eurokrise versprach sich die EU von der geplanten Maßnahme ungenutzte Potenziale des schwächelnden Binnenmarktes zu fördern und Anreize für Investoren zu bieten. Neben Nichtregierungsorganisationen formierte sich jedoch auch unter Politikern Widerstand und so beugte sich die EU dem Widerstand und strich die Wasserversorgung aus der geplanten Konzessionsrichtlinie.

 
 
 

Print Friendly