Wasser und Armut

Wenn Trinkwasser zum Luxus wird

Die Prognosen sehen düster aus: Derzeit leben knapp über 7 Milliarden Menschen auf der Welt. Zum Vergleich 1900 waren es 1,6 Milliarden. Zwischen zwei und drei Milliarden Menschen werden demnächst, so die Prognosen der UNO, keinen Zugang zu ausreichend sauberem Wasser haben. Die Folgen sind Krankheiten und Todesfälle – wobei besonders Kinder besonders unter Mangel leiden. Zudem fördert Wassermangel Hunger und Armut in auf der Welt. Die Ernte vertrocknet, das Vieh hat nicht genügend Futter oder verdurstet.

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Es gibt zahlreiche Projekte, um das Elend in der Welt zu lindern, doch greifen viele Maßnahmen zu kurz, um die Ärmsten der Armen zu erreichen. Hier würde mehr Hilfe zur Selbsthilfe oft mehr erreichen, als beispielsweise die EU-Entwicklungs­hilfe, die i.d.R. nur die großen privaten Wasserunternehmen in den betroffenen Ländern fördert. Kleine kommunale oder genossenschaftliche Lösungen vor Ort fallen oft durchs Raster der internationalen Förderanträge bzw. -maßnahmen. Wobei die Folgen des Klimawandels, besonders bei anhaltendem Bevöl­ke­rungs­wachstum, das Problem des Wassermangels verschärfen.

Sauberes Wasser hilft bei der Überwindung von Armut

e4-1-5-blh-9912461_xxlBereits heute – im Jahr 2015 – leben mehr als eine Milliarde Menschen in wasserarmen Regionen und haben nur unzureichenden oder keinen Zugang zu sauberem Trink­wasser. Generell gilt zudem, dass eine ausreichende Wasser­versorgung über den reinen Wasser­bedarf für Trinken und Kochen hinausgeht. Es geht immer auch um die Bedürfnisse minimaler Körperhygiene und damit verbunden der Bedarf an sanitären Einrichtungen sowie eine sichere Fäkalien- und Abwasserentsorgung zur Vermeidung von Krankheiten und die Schonung und qualitative Sicherung der oftmals hoch liegenden Grundwasser­ressour­cen. Aber ohne minimale sanitäre Einrich­tun­gen müssen heute sogar 2,3 Milliarden Menschen auskommen.

Sauberes Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen spielen jedoch eine unmittelbare Schlüsselrolle zur Überwindung von Hunger und Armut sowie für die nachhaltige Entwicklung eines Landes. Den unmittelbaren Nutzen von Wasser hat die WHO errechnet: Danach bringt jeder in die Wasser­versorgung investierte US-Dollar – abhängig von der jeweiligen Region – einen wirtschaftlichen Nutzen zwischen vier und 34 Dollar.

Verbindung zwischen Armut und Zugang zu sauberem Wasser

Gesundheit

Je weniger Länder, die ihrer Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser bieten können, desto höher ist die Kindersterblichkeit. Dabei werden Krankheiten, wie beispielsweise Durchfall, die besonders bei kleinen Kindern oft zum Tod führen können, nicht nur durch den Konsum von verschmutztem Wasser ausgelöst, sondern auch indirekt durch mangelnde Hygiene, wie Haut- und Augenkrankheiten, die oft durch mangelndes Händewaschen verbreitet werden.

Ausbildung

Mangelnder Zugang zu Trinkwasser hat auch eine unmittelbare Auswirkung auf die Schulbildung von Kindern. Beispielsweise durch Abwesenheit aufgrund von Krankheit oder weil sie zuhause für die beschwerliche und zeitraubende Wasserbeschaffung gebraucht werden, weil die nächste Trinkwasserquelle oft kilometerweit entfernt ist. Von letzterem sind insbesondere die Mädchen betroffen. Diese werden zudem oft auch aufgrund der mangelnden sanitären Einrich­tun­gen nicht in den Unterricht geschickt.

Einkommen und Konsum

Aufgrund häufiger Krankheiten sowie der aufwendigen Wasserbeschaffung ist die Möglichkeit einer geregelten Arbeit nachzugehen erheblich eingeschränkt. Darüber müssen beispielsweise Bewohner von illegalen Siedlungen und Slums am Rande der großen Städte ihr Trinkwasser von Tanklastern oder fliegenden Händlern beziehen und dafür einen Großteil ihres kargen Verdienstes aufwenden. Sie bezahlen oftmals bis zu zehnmal mehr als wohlhabende Haushalte, die an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen sind.

Kein Reichtum ohne ausreichend Wasser

e4-1-5-xart-40393606_xxlAber nicht nur auf das Leben des Ein­zel­nen wirkt sich der man­gel­nde Zugang zu sauberem Wasser negativ aus. Auch volks­wirt­schaftlich besteht ein Zusam­men­hang zwischen einem niedrigen Brutto­sozial­produkt eines Landes und seiner Wasserver- und Abwasser­ent­sor­gung: Zu einer funk­tio­nierenden Wirtschaft ist immer auch eine funktionierende Wasser­ver­sor­gung unabdingbar.

In Entwicklungsländer gibt es jedoch oft und regel­mäßig Ver­sor­gungs­unterbrechungen. Sei es weil die Leitun­gen illegal angezapft oder weil sie nur unge­nü­gend gewartet und instandgehalten werden. Dabei liegen die größten infrastrukturellen Heraus­for­derun­gen für diese Länder einerseits in der Versorgung der weitflächigen, ländlichen Räume sowie andererseits in der Versorgung der explosionsartig wachsenden Armenviertel rund um die Megastädte. D.h. es gilt nicht nur riesige bestehende Versorgungslücken zu behe­ben, sondern gleichzeitig auch mit der künftigen Bevölkerungsentwicklung Schritt zu halten.

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Übernutzung und Verschwendung als Ursache für den wachsenden Wassermangel

e4-1-5-xart-25369386_xxlBesonders betroffen von den Gefahren des zunehmenden Wassermangels sind dabei die Armen der Welt. Im diesem Zusammenhang warnte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon vor der sinnlosen Verschwendung von Wasser, wie er in vielen Regionen stattfindet: Schon 2030 könnte jeder zweite Mensch unter dem Mangel der lebensnotwendigen Ressource Wasser leiden. Der Bedarf an sauberem Trinkwasser könnte die verfügbaren Ressourcen um 40 Prozent übersteigen. Der ungarische Präsident erklärte zum Auftakt des Budapester Wassergipfels im Jahr 2013: „Die Menschheit hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten mehr Ressourcen verbraucht als in 5.000 Jahren davor.“

Es geht also in erster Linie auch immer um ein verbessertes Wassermanagement, denn ein wesentlicher Grund der mangelnden Versorgung mit Trinkwasser in den Entwicklungs- und Schwellenländern ist neben der natürlichen Wasserknappheit, der nichtnachhaltige Umgang mit der Ressource Wasser.

Einer der Gründe, warum sich die Situation nur langsam oder gar nicht verbessert ist finanzieller Natur: Investitionen in die Wasserver- und entsorgung – zumindest in Entwicklungsländern – scheitert am Geld. Gegenüber heute müssten die Ausgaben im Durchschnitt verdoppelt werden. Um nur einen minimalen Versor­gungsstandard zu implementieren, wäre weltweit ein jährlicher Mehraufwand an Investitionen von mindestens 10 bis 30 Milliarden US-Dollar nötig, so die Schätzungen.

Wasserkiller Landwirtschaft

Ein Löwenanteil des vorhandenen Wassers fließt beispielsweise in die Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen zur Nahrungsmittel­produktion. Im weltweiten Durchschnitt sind das zwei Drittel und in manchen Entwicklungsländern sogar bis zu 90 Prozent, wobei die Nutzungseffizienz nur bei rund 38 Prozent liegt. Dieses Manko liegt weniger an der verfügbaren Technik – es gibt Berieselungssysteme zur Bewässerung, die auch für Kleinbauern rentabel und erschwinglich wären – sondern es fehlen i.d.R. einfach Anreizsysteme, die Bewässerungseffizienz zu steigern.

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Gleichzeitig ist die Landwirtschaft aber auch einer der Hauptverschmutzer des Wassers. Es wird kaum Rücksicht auf die Beschaffenheit von Böden und Klima genommen, sondern einfach intensive Landwirtschaft betrieben und dafür Grundwasserressourcen der Zukunft angezapft oder Oberflächengewässer umgeleitet etc., was teilweise verheerende Folgen für die umliegenden Regionen hat.

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